1. NRW
  2. Krefeld
  3. Kultur

Kinderkleidung: Von Sonntagskleidern und Räuberkostümen

Kinderkleidung: Von Sonntagskleidern und Räuberkostümen

Mädchen mussten nicht immer brav eingeschnürt sein. Zu mancher Zeit genossen sie Freiheit — auch in Sachen Kleiderordnung.

Krefeld. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts gestand man Kindern mehr Bewegungsfreiheit zu. In der Folge der Aufklärung durften kleine Mädchen ihr Schnürmieder in die Ecke pfeffern und mit Hose und Kittel im Garten spielen.

Dass die einstige Trägerin eines Ensembles, das nun im Deutschen Textilmuseum ausgestellt ist, das auch getan hat, sieht man heute noch. Das erdfarbene Leinen trägt Gebrauchsspuren. „Räuberkostüm“ nennt es die Kunsthistorikerin Uta-Christiane Bergemann. „Es ist ganz fein gearbeitet“, sagt sie und zeigt auf die Nähte, „aber reduziert auf die Funktion.“ Ausgerichtet auf die Bedürfnisse eines kleinen Mädchens, entstanden um 1818. Vor dieser Zeit des Empire und Biedermeier zu Beginn des 19. Jahrhunderts waren die Kinder in Mieder geschnürt.

Auch danach, mit der Restauration nach 1848, wurden die Kleider wieder enger. Zur Betonung der Taille kam eine Popo-Verstärkung hinzu, der „Cul de Paris“, und zwar für Frauen und Mädchen. Die Kinder waren kleine Repräsentanten der Familie.

Um 1900 erstarkten die freiheitlichen Bewegungen wieder: Reformer und Sufragetten plädierten für die Befreiung der Frau, auch in Sachen Kleiderordnung. In den 20er Jahren verschwanden endlich das Korsett und die alten Zöpfe: Zu den gerade geschnittenen Charleston-Kleidern trugen die Damen Bubikopf und Lebenslust.

In der Schau trägt eine Puppe ein seidenes Kleid im Charleston-Stil. Hier ist das Kind wieder Abbild der Erwachsenen, mit Perlenkette, nur ohne Zigarettenspitze und Champagnerglas.

Fast ohne Einschränkungen konnten die kleinen Mädchen sich in den weißen Kleidern bewegen. „Weiß bedeutete, dass man die Stoffe kochen konnte — darin konnten die Mädchen spielen“, sagt Bergemann. Und der weite Faltenrock unter einer nicht geschnürten Taille erlaubte das Laufen an frischer Luft. Schicklich waren nackte Beine nicht: Zu diesen Kleidern wurden die Unterhosen erfunden.

Im 20. Jahrhundert sind die Schnitte der Kleider immer noch so: schön und mit Bewegungsfreiheit für die Trägerin. Die Erfindung der synthetischen Stoffe erlaubte wieder einen anderen Umgang mit der Kleidung — Waschen war gar kein Problem mehr.