1. NRW
  2. Krefeld
  3. Kultur

Kawai-Konzerte in Krefeld setzen 2020 auf Chopin

Musik : Kawai-Konzerte setzen 2020 auf Chopin

Ein Überblick über die für dieses Jahr geplanten Klavierabende, die im Beethoven-Jahr eben gerade nicht Beethoven in den Mittelpunkt stellen.

Die Kawai-Konzerte in Kooperation mit der Musikschule Krefeld gehören fest zur musikalischen Kulturlandschaft der Stadt. Sie gibt es inzwischen seit 29 Jahren und immerhin präsentierten sich schon 71 von Kawai ausgewählten Pianisten aus 17 Nationen im Helmut-Mönkemyer-Saal.

Ein wenig gegen den Trend stehen die diesjährigen Kawai-Konzerte weniger im Zeichen des großen Jubilars Ludwig van Beethoven, sondern widmen sich in großen Teilen der so feinen und pianistisch beseelten Musik Chopins. Äußeren Grund hierzu liefert der in der Klavierwelt als Fixpunkt geltende Frédéric-Chopin-Klavierwettbewerb, der 2020 zum 13. Mal in Warschau ausgetragen wird. Im gleichen Atemzuge sei erwähnt, dass zudem der Pianist Wojciech Świtała, den man für die „Krefelder Internationalen Klaviermeisterkurse“ eingeladen hat und der als ausgewiesener Spezialist für die Musik des polnisch-französischen Komponisten gelten kann. Davon zeugt auch, dass er seit 2014 zum Vorstand des Nationalen Frédéric Chopin Institutes (NIFC) in Warschau gehört. Er war übrigens schon 2014 in Krefeld zu Gast. Vom 5. bis zum 10. April wird er erneut in Krefeld weilen und Nachwuchspianisten oder diejenigen, die sich als professionelle Musiker noch weiterbilden möchten, im Rahmen des Meisterkurses unterrichten.

Am 5. April ab 19 Uhr präsentiert zunächst Świtała seine eigene Kunst mit einem Chopin-Abend. Nach dem öffentlich bei freiem Eintritt zugänglichen Meisterkurs in den Räumen der Musikschule zeigen die Teilnehmer des Meisterkurses die pianistischen Ergebnisse ihrer Arbeit mit Świtała. Naturgemäß entsteht das Programm dieses Abends aus der Arbeit im Kurs heraus und steht im Normalfall nur kurzfristig vor dem Konzert fest. Auch deshalb und wegen der Vielfalt der unterschiedlichen Teilnehmer versprühen diese Abschlusskonzerte von Meisterkursen eine ganz eigene elektrisierende Aura. Man darf sehr gespannt sein.

Sechs Talente zeigen Krefelder Publikum ihr Können

Natürlich bieten die Kawai-Konzerte dieses Jahr auch abseits des Meisterkurses Klavierabende mit ausgewählten – vornehmlich jüngeren – Klavierkünstlern. Den Auftakt macht schon am Freitag, 24. Januar, der 1993 geborene Russe Stanislav Korchagin – in dessen Programm, Ausnahmen bestätigen die Regel, kein Chopin zu finden ist. Er spielt neben Haydn, Schubert durch die Brille von Liszt und Ravel, Liszts Klaviersonate h-Moll Nr. 3 op. 58.

Am 8. Mai steht wiederum ein reines Chopin-Programm an. Mateusz Krzyzowski, Jahrgang 1999, geboren im polnischen Tychy, studiert derzeit an der Frédéric-Chopin-Universität für Musik in Warschau in der Klasse von Professor Joanna Ławrynowicz-Just. Ein besonderes Schmankerl in seinem Konzert ist, dass er sämtliche „Préludes“ aus op. 28 spielen wird.

Auch bei dem Konzert von Piotr Alexewicz am 12. Juni darf es Chopin sein, sogar erneut die 24 „Préludes“, gewürzt mit weiteren Werken wie etwa der Ballade in f-Moll op. 52 und den so für Chopin typischen Mazurkas. Der 20-jährige polnische Pianist kann wie die vielen aufstrebenden jungen Kollegen seines Fachs auch auf eine schöne Reihe durchaus beachtlicher Preise bei Wettbewerben zurückblicken. Er ist Stipendiat des Regierungs-Programms „Junges Polen“.

Der Japaner Motohiro Sato (geboren 1993) studiert aktuell an der Universität der Künste in Berlin bei Björn Lehmann. In seinem Konzert trifft der Schwerpunkt der Kawai-Konzerte mit Chopin auf den Nimbus des Beethovenjahres. Sato interpretiert neben Chopins Werken drei Klaviersonaten Beethovens (28. August).

Die Kawai-Konzerte in diesem Jahr sind auffällig männerlastig – wenngleich man ja weiß, dass es auch ganz hervorragende junge Pianistinnen gibt. Aber ganz auf Frauen muss man indes nicht verzichten in dieser Konzertreihe. Am 9. Oktober konzertiert die ukrainische Pianistin Kateryna Garanich. Ihr Programm bietet neben Chopin, Werke von Bach, auch hier wieder Beethoven und Liszt. Die Stipendiatin der Konrad-Adenauer-Stiftung studiert nach Weimar und Berlin zurzeit die hohe und diffizile Kunst der Liedgestaltung bei Wolfram Rieger. 2020 wird sie zudem am „Heidelberger Frühling“ teilnehmen.

Kenji Miura, geboren 1993 in Japan, gibt am 27. November ein Piano-Rezital in der Musikschule. Auch er kann auf einen imposanten Strauss an Preisen zurückblicken, darunter die Goldmedaille beim Internationalen Musikwettbewerb Manhattan 2019, der erste Preis beim Internationalen Shigeru-Kawai-Klavierwettbewerb 2017 und der erste Preis beim Berliner Steinway Wettbewerb 2017. Letztes Jahr gewann er zudem den Grand Prix und drei weitere Sonderpreise beim Long-Thibaud-Crespin-Wettbewerb, das ein Album bei Warner Classics und Erato im Herbst 2020 zur Folge hat. Sein Konzertprogramm bietet kein Chopin, sondern einen vielfarbigen Kosmos an Klaviermusik zwischen Beethoven, Brahms, Debussy oder auch Rachmaninow, aus dessen 13 Préludes op. 32 er eine Auswahl interpretieren wird.