Kawai-Konzert: Klavierspiel mit den Händen einer Tänzerin

Kawai-Konzert: Klavierspiel mit den Händen einer Tänzerin

Die erst 19-jährige Pianistin Gehui Xu begeistert im Campus 44.

Krefeld. Die nüchternen Angaben auf dem Programmzettel lassen es erahnen: Gehui Xu pflegt nicht nur in China Klavier-Wettbewerbe zu gewinnen - auch auf drei weiteren Kontinenten war sie erfolgreich. Dabei ist die junge Dame gerade 19 Jahre alt. Das versprach, ein interessantes Kawai-Konzert im Campus 44 zu werden - doch es wurde mehr.

Gehui Xus Interpretation der Abegg-Variationen op. 1 von Robert Schumann zeigt sofort, dass sie in klassischen Gefilden zu Hause ist. Ihre Leichtigkeit und Virtuosität, das breite Spektrum an Ausdruck, das sie dem Flügel entlockt, ziehen die Zuhörer gleich in den Bann.

Es ist ein Genuss, das Spiel ihrer Hände über den Tasten zu verfolgen - wie die Hände einer Tänzerin schweben sie, präsentieren eine eigene Choreographie und drücken aus, wie sehr die Pianistin von der Musik ergriffen ist.

Aber auch bei den atemberaubenden Tempi mit voluminösen Akkorden in der Sonate Nr. 4 von Alexander Scriabin zeigt Gehui Xu ihr außergewöhnliches Können. Doch sie ist in der Lage, das noch zu steigern.

Die Chinese Rhapsody Nr. 2 des zeitgenössischen Komponisten Anlung Huang verlangt sehr viel - auch körperlichen Einsatz. Aus gong-artigen Klängen entwickelt sich ein rhythmisches Spiel im Fortissimo gleichzeitig auf den tiefsten und höchsten Tönen des Flügels. Das Publikum staunt.

Nach der Pause folgen Liszt, Wagner und die Ballade II, die dem Abend ein furioses Ende gibt. Den Applaus belohnt Gehui Xu mit einer Zugabe.

Eine kleine Schwäche hatte sie im ersten Stück, Bachs Präludium und Fuge (BWV 876), da wird ihr das geplante Studium in Europa helfen. Aber muss man von ihr überhaupt Barockmusik hören? Mehr Huang wäre eine Bereicherung für das europäische Musikleben.

Mehr von Westdeutsche Zeitung