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Kawai-Konzert: Bartók als Herausforderung

Kawai-Konzert: Bartók als Herausforderung

Der ukrainische Pianist Mark Taratushkin wagt sich an knifflige Kompositionen.

Krefeld. Dass Musik des 20. Jahrhunderts es im Konzertsaal immer noch schwerer hat als Mozart oder Beethoven, zeigte sich an diesem Wochenende beim Kawai-Konzert. Nicht einmal zur Hälfte war der große Saal in der Musikschule gefüllt. Mit Stücken von Béla Bartók und Sergei Prokofjew hatte sich der aus der Ukraine Stammende Pianist Mark Taratushkin ein alles andere als leichtes Programm zusammengestellt.

Doch wer den gerade einmal 24-Jährigen in Berlin lebenden Künstler nicht erlebt hat, hat wirklich etwas versäumt. Gleich beim ersten Stück, Bartóks Suite „Im Freien“, beeindruckte der Pianist mit der Intensität und technischen Brillanz seines Spiels. Sei es der fast martialische Beginn „Mit Trommeln und Pfeifen“ oder später die geheimnisvollen „Klänge der Nacht“, scheinbar mühelos interpretierte Taratushkin die so unterschiedlichen Facetten.

Auffallend an seinem Spiel ist auch die stark nach vorne gebeugte Körperhaltung, als wollte er mit seinem Instrument ganz verschmelzen. Dass dieses intensive Spiel auch eine große körperliche Anstrengung bedeutet, wurde auch bei den weiteren Bartók-Stücken bis zur Pause immer deutlicher. Eine weitere Suite und die Improvisationen über ein ungarisches Bauernlied waren auch für die Zuhörer eine akustische Herausforderung.

So kam der zweite, ausschließlich Prokofjew gewidmete, Teil des Konzerts einer Entspannung gleich. Zwanzig kurze Stücke umfassen die „Visions fugitives“, wunderbare Miniaturen, die alles andere als einen flüchtigen Eindruck hinterlassen. Dem Pianisten boten sich dabei vielfältige Ausdrucksmöglichkeiten, die er auch sehr differenziert ausschöpfte. So spielte er scheinbar leicht „con eleganza“ oder expressiver „molto accentuato“ und spannte dabei einen klanglich eindrucksvollen Bogen vom ersten bis zum letzten Satz.

In dem letzten kurzen Programmpunkt „Sarcasm“ zeigte Taratushkin wieder seine expressive Seite und knüpfte damit an den ersten Teil des Abends an. Das bis zuletzt hochkonzentrierte Publikum feierte diesen Ausnahmekünstler mit viel Applaus.