Kultur : Auf Leben und Tod im Foyer

Das Vitus Quartett gestaltet das erste Kammerkonzert der Saison. Motto: „...auf Leben und Tod“.

„Zwei große Stücke Musik, die berühren, aufwühlen und die Kraft der Musik zeigen“, verspricht Richard Weitz in seiner Konzerteinführung. Das Vitus Quartett - neben dem Bratschisten Weitz gehören Chisato Yamamoto und Johanna Brinkmann (Violine) sowie Raffaele Franchini (Violoncello) dazu  –  hat das erste Kammerkonzert der Saison unter das Motto „...auf Leben und Tod“ gestellt. Sehr anschaulich und hilfreich für das Verständnis der beiden Streichquartette sind die erklärenden Worte. Franz Schuberts (1797-1828) Streichquartett Nr. 14 d-Moll, das unter dem Titel  „Der Tod und das Mädchen“ bekannt ist, dürfte für das Publikum im Foyer des Theaters nicht fremd sein, vermutlich aber für zahlreiche Zuhörer das zweite Werk des Programms: das Streichquartett Nr. 3 von Peteris Vasks (*1946). Erst einmal erklingt Vertrautes. Der erste Satz des Schubert Quartetts, ein Allegro, lässt zum einen ein musikalisches Aufgewühlt-Sein erklingen, zum anderen zieht sich ein gesanglicher „roter“  Faden durch das Stück. Werden hier der Tod und das Mädchen bereits skizziert? Die Mitglieder des Vitus Quartetts legen viel Leidenschaft, aber auch ein behutsames Miteinander Agieren an den Tag und arbeiten sehr gut unterscheidbare Stimmungen heraus.

In ihrer Interpretation beginnt das Andante con moto als ein leiser, intimer Trauermarsch. Daraus erhebt sich sich erste Geige und die Trauerstimmung gleitet in eine besinnliche, melancholische mit ganz feinen fast schon heiteren Momenten. Tänzerische Elemente bietet das Scherzo und das abschließende Presto bekommt von den Musikern viel Vorwärtsdrang, den sie mit großer Homogenität umsetzen. Von den ersten Noten an fremdartig, aber gleichermaßen überraschend wie faszinierend erscheint das Streichquartett von Vasks. Der lettische Komponist schrieb es 1995 und in diesem Stück wie in seinem Gesamtwerk, so hat Weitz das Publikum bereits eingestimmt, finden sich Bezüge zur Zeitgeschichte des Baltikums und zur lettischen Kultur wieder. Seit 1991 ist Lettland zwar von der russischen Herrschaft befreit und wieder ein unabhängiger Staat, doch die Unterdrückung und Zerstörung lettischer Kultur ist noch nicht überwunden. Da liegt es für den Komponisten nahe, Elemente der Volksmusik einzuarbeiten sowie den Gesang der Vögel, als Zeichen größter Freiheit. Diese Assoziationen erlaubt schon der erste Satz, in dem ein langer hoher meditativer Ton von der Geige in die Runde der Streicher eingeführt wird, den Vasks von anderen Motiven unterbrechen lässt – eines könnte man gut als „Specht-Motiv“ bezeichnen. Doch der Grundtenor dieses Moderatos ist ein trauriger, klagender, aus dem immer wieder Elemente der Volksmusik durchblitzen. In die Natur und eine reiche Vogelwelt kann man sich im abschließenden Moderato - Allegro versetzt fühlen. Die Kreativität des Komponisten und ihre Umsetzung durch das Vitus Quartett begeistern das Publikum.