Kaiser-Wilhelm-Museum: Die Schätzchen im Depot

Kaiser-Wilhelm-Museum: Die Schätzchen im Depot

Für den neuen Bestandskatalog des Kaiser-Wilhelm-Museums sichtet Kuratorin Magdalena Holzhey Gemälde und Skulpturen.

Krefeld. Magdalena Holzhey legt ihre weißen Baumwollhandschuhe beiseite, nachdem sie das Gemälde „Nine“ von Robert Indiana auf eine Staffelei gestellt hat. Das gelb-schwarze Werk aus dem Jahre 1965 wurde für den Bestandskatalog aus dem Depot geholt. Nach gründlicher Musterung hat die Kunsthistorikerin es in die Restaurierungsabteilung überantwortet. „Es hat einige Altersspuren“, sagt sie.

Für den Bestandskatalog des Kaiser-Wilhelm-Museums (KWM) werden alle Gemälde und Skulpturen aus dem Depot geholt und fotografiert. Jede Arbeit bekommt eine digitale Visitenkarte mit vielen Details zu Künstler, Entstehen und Technik. „Wir bearbeiten dafür etwa 800 Werke“, sagt Holzhey. Es ist der erste Katalog für diese Epoche überhaupt. Aus jedem Entstehungsjahr seit 1945 haben die Kunsthistoriker des KWM ein Highlight herausgesucht. Dazu verfassen Museumschef Martin Hentschel, Vize Sylvia Martin oder eben Magdalena Holzhey einen längeren Artikel für den Bestandskatalog, der zur Wiedereröffnung (wahrscheinlich 2016) fertig sein soll. Holzhey: „Für mich ist diese Arbeit sehr gut, um die Sammlung kennenzulernen“.

Einen Teil kannte sie schon, bevor sie im April 2014 ihre Arbeit in Uerdingen aufnahm. Magdalena Holzhey hat ihre Doktorarbeit über Joseph Beuys geschrieben. Einen weiteren Teil der Kunst im Depot lernt sie nun auch kennen. Sie konzipiert für den Herbst eine Ausstellung aus dem eigenen Bestand, über Graphik.

Man hat ihr diese Aufgabe übertragen: Im Herbst wird „Show & Tell“ in den Mies-Villen gezeigt. Holzhey war sehr erfreut darüber, diese Idee umsetzen zu können: „Etwas Schöneres kann ich mir nicht vorstellen, als eine Ausstellung zu entwickeln und gleichzeitig die Bestände kennenzulernen.“ Und es gefällt ihr auch, die Schätze des Hauses zu zeigen; Ausstellungen aus dem eigenen Bestand in Haus Lange und Haus Esters sind eher selten.

Zu ihren vielfältigen Aufgaben zählt auch eine dritte Säule, auf der Magdalena Holzhey wieder Neuland betritt. Sie entwickelt ihre erste eigene Ausstellung — 2016 wird sie zeitgenössische Künstler präsentieren und hat jetzt schon mit der Organisation begonnen, da sie mit Museen in der Schweiz und Österreich kooperiert. „Das wird eine sehr sinnliche Präsentation, die das Wirken der Naturkräfte zum Thema hat“, so Holzhey.

Die 40-jährige Magdalena Holzhey ist schon im Herbst nach Krefeld gezogen; mit Mann und fünfjährigem Sohn lebt sie ganz in der Nähe der Mies-Villen. „Wir haben sogar einen Garten.“ Ihr gefällt es gut in der Seidenstadt und sie liebt ihre Arbeit. Ob sie ihr Spaß macht? Sie überlegt einen Augenblick und befindet dann: „Ohne Kunst möchte ich nicht leben!“ Sie ist froh darüber, dass sie in ihrer Tätigkeit die Leidenschaft für das Metier ausleben kann. „Es gibt für mich keine Grenze zwischen Arbeit und privater Sphäre — die beiden Bereiche gehen ineinander über.“

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