Junge Meister mit reifem Spielwitz

Junge Meister mit reifem Spielwitz

Das Jonathan Hofmeister Quartett gastierte auf Einladung des Jazzklubs im Glasfoyer des Stadttheaters. Es bekam viel Applaus.

Krefeld. Wo soll das enden, fragt man sich manchmal. Der Ausbildungsstandard in Sachen Jazz ist in Deutschland inzwischen so hoch, dass Musiker schon in jungen Jahren wie ausgereifte Künstler erscheinen — zumindest musikalisch. Das Jonathan Hofmeister Quartett gastierte jetzt auf Einladung des Jazzklubs Krefeld mit wahrlich reifem Spielwitz im Foyer des Stadttheaters. Bandleader Hofmeister ist gerade mal 25 Jahre alt, älter als 27 Jahre ist in seinem Quartett keiner.

Bis auf den Iren Matthew Halpin am Tenorsaxophon haben alle Musiker in Köln Jazz studiert, was inzwischen einem Gütesiegel mit Garantie gleichkommt. Halpin studierte dafür in der bekanntesten US-amerikanischen Talentschmiede, dem Berklee College of Music. Noch besser. Neben Hofmeister am Klavier und Saxophonist Halpin gehören David Helm, Kontrabass, und Fabian Arends, Schlagzeug, zum Quartett.

Die Ausbildung im Mutterland des Jazz hört man Halpins Spiel an, er steht am meisten in der amerikanischen Jazz-Tradition. Sein Ton ist warm und süffig, oft spielt der Ire in mittleren und tiefen Lagen. Sein Sound erinnert etwas an Stan Getz, der schon lange tot ist und sein Großvater sein könnte, ein ganz klein wenig lugt mit Jan Garbarek auch noch ein europäisches Vorbild um die Ecke.

Rasende Läufe sind Halpins Sache nicht. Er baut auf seinen Klang und setzt auf bedächtigen Aufbau. Bei den einzigen Nummern des Abends mit klarer Anlehnung an die amerikanische Tradition schon im komponierten Thema — das ist die Zugabe im Bebop-Stil und vorher ein intellektuell aufgeputzter Blues — fühlt sich Halpin offenbar am wohlsten und liefert emotional besonders dichte Soli ab.

Mit seinem geerdeten Ton und Spiel bietet Halpin einen spannenden Kontrast zu Bandleader Hofmeister, von dem alle Kompositionen stammen. Der spielt das Piano manchmal mit schon fast provozierender Leichtigkeit, reiht oft luftige Arpeggios aneinander. Die Themen wachsen manchmal wie beiläufig aus verspielten Einleitungen und Übergängen zwischen den Stücken. Die Harmonik stammt nicht nur aus dem Jazz, man darf auch Skalen aus dem Fundus der europäischen Avantgarde im Bereich der ernsten Musik vermuten, die sich aber nicht aufdrängen.

Bei den Improvisationen setzt Hofmeister nicht selten nur die rechte Hand ein. Seine Phrasierung dabei ist makellos, oft reiht er ohne auch nur einen einzigen Einsatz des rechten Pedals lange Legato-Bögen aneinander. Während Halpin mit zwar dosiertem, aber nicht wenig Druck agiert, tupft sich Hofmeister durch seine Soli. Mühelos, elegant, eben mit schon (fast) meisterlichem Understatement. Nur bei seinen spöttischen Ansagen ist Hofmeister offensichtlich nicht älter als 25.

Den Kontrabassisten Helm und den Schlagzeuger Arends erlebte man als Rhythmusgespann nicht das erste Mal in Krefeld, sie unterstützten etwa den Pianisten Simon Seidel vor zwei Jahren im Stadttheater in dessen Trio. Die beiden sind gut aufeinander eingespielt, das hört man.

Für die luftige Architektur der Hofmeister-Kompositionen sind sie genau die Richtigen. Helm grundiert die Stücke oft mit markanten Ostinati oder hilft ihnen beim Schweben durch eher pulsierendes Spiel. Arends agiert in binären wie in ternären Rhythmen mit beneidenswert leichtem Fluss, was nicht heißt, dass er nicht mit gezielten Akzenten plötzlich zubeißen kann. Viele Rubatopassagen durchzogen das Konzert im Wechsel mit rhythmisch gebundenen Abschnitten. Das eng verzahnte Zusammenspiel blieb dabei stets auf gleichbleibend hohem Niveau. Am Ende gab es viel Applaus und eine Zugabe.

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