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Jugendliche flüchten sich in Sex und Gewalt

Jugendliche flüchten sich in Sex und Gewalt

Elvis Peeters liest aus seinem Skandalbuch — ein ziemlich zäher Abend.

Krefeld. Der Literarische Sommer führte am Donnerstag in menschliche Abgründe. Dazu passend grollte der Himmel, so dass man bei den ersten Regentropfen vom Innenhof der Heeder zur Studiobühne I umzog. Dieser Ortswechsel sollte der Lesung des Belgiers Elvis Peeters aus „Der Sommer, als wir unsere Röcke hoben und die Welt gegen die Wand fuhr“ eine noch stärkere Wirkung geben.

In dem schwarzen Raum lenkte kaum etwas ab von den Schilderungen aus dem Leben einer sich langweilenden Clique Jugendlicher. Die Einführung in den Abend begann noch locker und heiter mit dem Vorstellen des Autors (Elvis Peeters ist ein Pseudonym) und seiner Arbeitsweise.

Maren Jungclaus vom Literaturbüro NRW moderierte die kleine Runde, zu der noch Gregor Seferens gehörte, der Übersetzer für diesen Abend. Der Inhalt des ersten Ausschnitts ist im Titel zusammengefasst: Vier Mädchen stellen sich auf eine Autobahnbrücke, heben ihre Röcke und verführen die Autofahrer mit unverstellten Einblicken, vier Jungen hocken im Gebüsch und filmen die Reaktionen auf der Fahrbahn. Ein schwerer Unfall mit mehreren Fahrzeugen passiert. Belustigt verfolgen die Jugendlichen die Auswirkungen ihres Tuns. Mit einem „Die Verantwortung liegt hinter dem Lenkrad“ hat sich die Aktion für die acht erledigt — sie hatten ihren Spaß und ein paar Stunden Langeweile weniger.

Mit Szenen dieser Art ist das Buch gefüllt. „90 Prozent der Dinge haben sich so in der Welt ereignet“, erläutert der Autor. Er hat sie in seinem Roman jedoch auf 200 Seiten komprimiert. Das Ganze erscheint wie eine Verdichtung der reißerischsten „Reportagen“ gewisser Fernsehsender. Auch das Weltbild ist übersichtlich: hier die Erwachsenen der Mittelschicht in ihrer „banalen“ Welt, dort die Jugendlichen, die sich ihr verweigern und als einzige Alternative Sex und Gewalt erkennen.

Beklemmend grausam, andererseits zäh und langatmig gerät dieser Abend, schließlich waren immer lange Wortbeiträge des Autors zu übersetzen. Eine Diskussion konnte kaum entstehen. Zwei Zuschauer fanden, dass die dargestellten Jugendlichen für sie keine realen Figuren seien und der Roman ein „theoretisches Buch“ sei. Die Zuhörerin Ruth Bröskamp-Timmer fasst es zusammen: „Es ist das Wichtigste, dass wir uns mit der Vielfalt des menschlichen Daseins auseinandersetzen, mit allen Gefühlen und Trieben. Und das schafft der Literarische Sommer!“