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Jazzattack: Eine Fusion mit dem Trompeter Carniaux

Jazzattack: Eine Fusion mit dem Trompeter Carniaux

Bei der Jazzattack stand New Yorker Ryan Carniaux mit Stefan Rademacher, Tobias Hoffmann und Ralf Gessler auf der Bühne.

Krefeld. Der Liebe wegen sei er nach Deutschland gekommen, kann man im Internet über ihn lesen. Seines Trompetenspiels wegen wollen ihn aber inzwischen viele heimische Jazzfans auch gar nicht mehr weglassen. Ryan Carniaux, 1980 in New York geboren, kam 2003 nach Europa, lebt inzwischen in Köln und ist seit 2013 Professor für Jazztrompete an der Essener Folkwang-Hochschule. Nun spielte Carniaux bei der zweiten Jazzattack-Session des Jahres auf Einladung von Stefan Rademacher im Jazzkeller und bescherte der Reihe überdurchschnittlich viele Zuschauer.

Gastgeber Rademacher spielte seinen fünfsaitigen E-Bass, das Schlagzeug bediente Ralf Gessler und an der E-Gitarre war Tobias Hoffmann zu hören. Auch diese drei — inklusive des in Krefeld geborenen Rademachers — sind alle in Köln beheimatet, die an Musikern reiche Szene dieser Stadt dominiert viele der Jazzattack-Sessions.

„Keep Your Soul Together“ heißt die erste Nummer, eine moderate Fusion-Komposition von US-Trompeten-Star Freddie Hubbard aus den frühen 1970er Jahren, und Carniaux beweist gleich seine Klasse. Er lässt es in seinem Solo nämlich ruhig angehen, bevorzugt zunächst die tieferen Lagen seines Instruments, baut sein Solo langsam auf. Erst allmählich blitzt auch Geläufigkeit auf, und erst gegen Ende lässt Carniaux seine geschmeidig phrasierten Linien in hohe, explosiv intonierte Töne münden. Manch andere Trompeter gehen mit diesem Ausweis von Virtuosität inflationärer um.

Carniaux bleibt also cool, was nicht heißt, dass er nicht auch aus sich herausgehen kann. Aber er tut das mit der Abgeklärtheit eines Jazzers, der seine Wurzeln wohl eher im Modern Jazz als im Jazz-Rock und der Fusion sieht. Zum Star des Abends, wenn er denn überhaupt einen nötig gehabt haben sollte, wird deswegen ein ganz anderer, und das ist der Gitarrist Tobias Hoffmann.

Hoffmann, unter anderem mit dem Echo Jazz und dem WDR Jazzpreis national auf höchster Stufe ausgezeichnet, drückt dieser Session maßgeblich seinen Stempel auf, und das nicht nur, weil mehrere Stücke aus seiner Feder stammen. Es ist sein unvergleichlich vielfarbiger Sound, der die Musik dieser Ad-hoc-Band dominiert.

Wollte man ein Vorbild für Hoffmann benennen, könnte man wohl bei Bill Frisell landen. Ähnlich wie Frisell integriert Hoffmann nicht nur Rockklänge in sein jazziges Improvisieren, sondern lässt auch Country- und Folkeinflüsse hören. Unablässig kombiniert er Melodie- und Akkordspiel, wobei er seinen Sound durch gut hörbaren Hall mit einer gewissen Weichheit ausstattet. Und dann nutzt er mehr als die meisten Gitarristen den sogenannten Jammerhaken, ein Hebel an E-Gitarren, mit der eine Art Vibrato erzeugt werden kann. Nun, Hoffmann war schon öfter in Krefeld, sein jetziges Auftreten sollte dazu animieren, ihn vielleicht mal wieder mit einer eigenen Band zu verpflichten.

Fusion war — wie schon so oft — der Stil dieser Jazzattack, wobei Rademacher und Gessler sich hier als sattelfeste Begleiter erwiesen. Man könnte monieren, dass der Modern Jazzer Carniaux ein wenig außen vor blieb, aber ausgereifte Arrangements, die die Stärken aller Musiker in jedem Moment integrieren, darf man auch von Spitzenmusikern bei einer Session nicht erwarten. Und wenn dieses Quartett — gar nicht so selten — doch zusammenfand, dann ging auch ganz schön die Post ab. Die Fans bedankten sich mit viel Applaus.