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Jazz in Krefeld: Neustart mit Standards und viel Swing

Jazz : Neustart mit Standards und viel Swing

Erstes Jazzkonzert nach drei Monaten Corona-Pause vor dem Jazzkeller.

Am 12. März fand das vorerst letzte Konzert des Jazzklubs Krefeld (JKK) im Jazzkeller statt, dann kam der Corona-Lockdown. „Über Corona will ich jetzt gar nicht reden“, hatte seinerzeit der JKK-Programm-Verantwortliche Rolf Sackers befunden, aber Trompeter Frederik Köster, dessen Band Die Verwandlung damals den Abend bestritt, hatte leider eine richtige Vorahnung: „Vielleicht wird das hier für lange Zeit das letzte Jazzkonzert.“ Er sollte Recht behalten – aber nun ging es weiter. Auf den Tag genau drei Monate später gab es jetzt wieder ein Jazzklub-Konzert vor dem Jazzkeller mit dem Simon Seidl Trio aus Köln.

Im Jazzkeller wird es vorerst
keine Konzerte geben können

Es sah fast so aus wie immer im Sommer, wenn Jazzkeller und Jazzklub auch gerne ihre Angebote als Open-Air-Konzert gestalten. Aber natürlich gab es Unterschiede. Die Corona-Bestimmungen sind nur „gelockert“, vieles ist einfach noch nicht wieder wie vorher. So war die Zuschauerzahl auf 99 Personen beschränkt, je zehn Personen durften auch ohne Mundschutz an einem Tisch zusammensitzen, immerhin.

Auf den Tischen waren Namenslisten angebracht, man durfte also auch nicht einfach irgendwo sitzen. Von den Servicekräften — mit Maske — gab es erst einmal kein Getränk, sondern eine Portion Handdesinfektionsmittel. Dann musste man Namen und Anschrift auf die Rückseite der Verzehrkarten notieren.

Im Jazzkeller wird es bis auf weiteres, vielleicht sogar bis in den Herbst und Winter hinein keine Konzerte geben. Es ist dort einfach zu eng. Jazzkeller-Wirt Bernhard Bosil hielt vor dem Konzert eine notgedrungen kämpferische Rede. „Wir leben von Reserven und Spenden“, sagte er, ohne zu jammern. Und weiter: „Wir halten durch. Ich werde den Laden ums Verrecken nicht aufgeben.“ Da kann man nur das Beste wünschen.

Auf das Trio von Pianist und Keyboarder Simon Seidl war der JKK nicht von ungefähr gekommen. Seidl hatte beim letzten Vor-Corona-Konzert in Kösters Band Die Verwandlung am Klavier gesessen und überzeugt. Als Mitmusiker brachte er jetzt den Stammschlagzeuger seines Trios mit, das ist Fabian Arends. Am Kontrabass war mit Robert Landfermann ein Schwergewicht der deutschen und europäischen Jazzszene zu bewundern. Auch für die Musiker war es das erste Live-Konzert seit langem. Landfermann erzählte auf Nachfrage vor dem Konzert, dass er bei der Streaming-Version des diesjährigen Moers-Festivals teilgenommen hatte. Sein Urteil darüber fällt eindeutig aus: „Das ist etwas anderes“, sagte er, „es fehlt die so wichtige Energie des Publikums.“

Die Musiker zeigten sich entsprechend ihren Fähigkeiten gut aufgelegt und motiviert, das Programm offenbarte jedoch, dass wohl auch ein wenig die Zeit zur Vorbereitung gefehlt hat. Alle drei hat man in Krefeld schon in verschiedenen Konstellationen mit spannendem zeitgenössischen Jazz erlebt, zum Neustart vor dem Jazzkeller hatten sie aber jetzt „nur“ Standards, also bekannte Kompositionen aus der Jazzgeschichte im Repertoire.

So gab es Themen etwa von George Shearing, Hoagy Carmichael oder Theolonius Monk zu hören — es wurde fast ausschließlich triolisch geswingt. Da wirkte die Tatsache, dass Seidl ein Fender Rhodes, also ein leicht transportables E-Piano bediente, schon fast ein wenig wie ein unbeabsichtigter Verfremdungseffekt. Musik nämlich aus der Phase des Jazzrocks, den 1970er Jahren, in denen das E-Piano seine Hochzeit erlebte, gab es nicht.

Wie auch immer — das Publikum war hörbar dankbar für Seidls so flüssige wie eloquente Improvisationen, für Landfermanns treibende Walking-Bass-Linien und auch dessen beachtliche Soli und für das wie stets leicht federnde und akzentreiche Spiel von Drummer Arends.