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Jazz in Krefeld: Komplexe Fusionmusik, lebendig und packend serviert

Jazz : Komplexe Fusionmusik, lebendig und packend serviert

Der Trompeter Frederik Köster und seine Band Die Verwandlung gastierten im Jazzkeller.

Immerhin. Es hat noch stattgefunden. Der Jazzklub Krefeld hatte den Trompeter Frederik Köster mit seiner Band Die Verwandlung in den Jazzkeller eingeladen, und, nun ja, es kamen nicht so viele Fans wie sonst – und auch ein Musiker war aus Angst vor dem Coronavirus zu Hause geblieben. Der Pianist Sebastian Sternal wurde jedoch durch Simon Seidl adäquat ersetzt, und Köster und sein Quartett lieferten zwei Sets von sehr hoher Qualität ab.

Köster, Professor für Jazztrompete in Osnabrück, ist seit über zehn Jahren in Krefeld ein gern gesehener Gast. Der 42-Jährige zählt zu den Spitzentrompetern in Europa und ist auch ein sehr talentierter Komponist. Im Jazzkeller präsentierten er und seine Band überwiegend Material der neuen CD „Golden Age“. Neben Köster und Seidl agierten Joscha Oetz am Kontrabass und Jonas Burgwinkel am Schlagzeug.

Wie viele Jazzmusiker heutzutage pflegt Köster einen erweiterten Fusion-Stil. Verstand man darunter im Ursprung nur eine Mischung aus Jazz und Rock, so wird der Fusiongedanke heute oft als übergreifendes Gestaltungsprinzip verstanden. Man kann bei Köster Anklänge von Modern- über Free- bis Rockjazz hören. Dazu treten dann aber auch zum Beispiel Weltmusikanteile. Aktuell kann man sich da bei ihm über Melodik vom Balkan oder Rhythmik aus dem arabischen Raum freuen.

Auch die Arrangements lassen meist die herkömmliche Abfolge Thema, Improvisation, Thema hinter sich, und die Musiker arbeiten sich auch nicht andauernd an Akkordgerüsten ab. Derlei kommt noch vor, aber eigentlich hat bei Köster jedes Stück seine eigene Form.

Dass Köster seine Musik höchst komplex anlegt, könnte den Zugang erschweren, aber andererseits machen er und seine Mitmusiker das Zuhören auch leicht, indem sie lebendig, druckvoll und mit viel Präsenz agieren. Das war jetzt auch wieder im Jazzkeller zu bewundern.

 Allein Schlagzeuger Jonas Burgwinkel setzt die Musik schon derart unter Strom, dass man vor lauter Faszination gar nicht mehr darüber stolpert, dass sein Spiel schon für sich genommen höchst komplex ist.

Der sehr virtuose Drummer hat seinen ganz eigenen Stil entwickelt, mit dem er das Paradoxon meistert, annähernd jeden Takt anders zu gestalten und damit trotzdem einen Druck aufzubauen, als spielte er einen treibenden, aber eben regelmäßigen Groove.

Kontrabassist Oetz agierte sicher und stabilisierend, bei seinen Soli ging er allerdings ein wenig unter. Und dass Simon Seidl kurzfristig den Stammpianisten ersetzen musste, war seinem wandlungsreichen Spiel kaum anzumerken. Köster brillierte mit der sehr variablen Bandbreite seines Tons, ausgesprochen großer Geläufigkeit und gelungenen Wechseln zwischen elegantem Legato und bissigerer Phrasierung. Bei seinen neuen Kompositionen kann man einen leichten Hang zur Ballade feststellen, einerseits. Andererseits verschafft er den Stücken mit dem gekonnten Einsatz von Elektronik (Loops, Klangverfremdung) noch mehr ungewöhnliche Klangfarben.

 Bei der Zugabe trat er dann auch noch als Sänger in Erscheinung, nutzte dabei ein Gedicht des großen englischen Dichters William Blake als Grundlage. Damit setzte die Band einen unerwartet romantischen Schlusspunkt. kMs