Konzert: Ja, was war denn das? Quartett macht Publikum ratlos

Konzert : Ja, was war denn das? Quartett macht Publikum ratlos

Beim Serenadenkonzert kam ein Kurtag-Werk nicht gut an.

Linn. Das Goldmund Quartett wird zu den gefragtesten Nachwuchsquartetten Deutschlands gezählt und gehört zur 60. Bundesauswahl Konzerte Junger Künstler. Am vergangenen Freitag traten Florian Schötz (Violine), Pinchas Adt (Violine), Christoph Vandory (Viola) und Raphael Paratore (Violoncello) im Rittersaal der Burg Linn mit einem kontrastreichen Programm auf.

Die Musiker beginnen mit dem Streichquartett G-Dur KV 387 von Wolfgang Amadeus Mozart. Es ist ein sehr akzentuierte Interpretation, spritzig und federleicht interpretieren sie das Allegro vivace assai.

Ihr Spiel zeichnet sich durch große Homogenität aus, egal in welcher Kombination die vier gerade miteinander musizieren. Tänzerisch elegant kommt ihr Menuetto daher. Sie machen daraus einen feinen Dialog zwischen den Instrumenten, den man sich auch schön in einer Choreographie umgesetzt vorstellen kann.

Das Vorstellungsvermögen des Publikums wird jedoch beim nachfolgenden Stück stark strapaziert. György Kurtags (*1926) Officium breve in memoriam Andreae Szervánszky op. 28 erschließt sich als zeitgenössisches Werk nicht jedem. Das 1988/89 komponierte Werk beginnt „unauffällig“, als würden die Instrumente erst noch behutsam gestimmt. Daraus entwickelt sich ein sehr meditatives Spiel. Eine Zäsur — Dissonanzen, flirrende Klänge folgen. Immer wieder gibt es Einschnitte durch kleine Pausen, die einen neuen kurzen Satz markieren, aber auch einen Augenblick Gelegenheit zum Nachdenken über das Gehörte geben. Es ist ein Mosaik von Stimmungen beziehungsweise Variationen von Ausdruck der Trauer und Erinnerungen. Am Ende mündet das Spiel in einer traurig schönen kurzen Melodie, die sich verliert. Ein sehr ergreifender Abschluss. Das Publikum reagiert recht unterschiedlich: Die einen applaudieren begeistert, andere klatschen gar nicht.

Nach der Pause „versöhnt“ das Goldmund Quartett die Zuhörer mit Ludwig van Beethovens Streichquartett a-Moll op. 132. Dieses Werk trifft den Geschmack aller und man spendet schließlich einen langen Applaus. Dafür bedankt sich das Ensemble mit einem Adagio aus einem Streichquartett von Joseph Haydn als Zugabe.

Vandory erklärt, weshalb man gerade ein Stück dieses Komponisten ausgewählt hat. Mit Haydn habe man das gemeinsame Spiel begonnen und zum anderen auch die erste CD aufgenommen. So redselig der Bratschist sich zum Thema Haydn zeigt, beim Werk von Kurtag wären ein paar Verständnishilfen auch nicht schlecht gewesen. Mit einem Miniatur-Geigenkonzert, als das man das ausgewählte Adagio bezeichnen könnte, verabschiedet sich das Goldmund Quartett. Schötz kann dabei noch einmal als „Solist“ glänzen, einfühlsam begleitet von den anderen Ensemblemitgliedern.

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