Kultur: Hier kennt Kunst keine Grenzen

Kultur : Hier kennt Kunst keine Grenzen

Zum dritten Mal lädt der BBK Niederrhein im Südbahnhof zur Ausstellung „Freie Fahrt“ ein. Auch drei syrische Gäste sind dabei.

Krefeld. Alle zwei Jahre macht der Berufsverband Bildender Künstlerinnen und Künstler (BBK) Niederrhein Station im Südbahnhof. „Freie Fahrt“ lautet das Motto der 17 Mitglieder und drei syrischen Gästen in der Ausstellung, die von morgen bis Freitag, 22. September, zu sehen ist. „Freie Fahrt bedeutete anfangs freie Fahrt durch die unterschiedlichsten Techniken“, erklärt Gilbert Scheuß, Vorsitzender des BBK Niederrhein. Den an der Ausstellung teilnehmenden Verbandsmitgliedern bleibt es vorbehalten, mit welchen Arbeiten in welchen künstlerischen Techniken sie sich präsentieren wollen. Keine Jury entscheidet, wer mit auf die Reise in den Krefelder Südbahnhof gehen darf.

Aktuell findet mit der Freien Fahrt 2017 auch eine geographische Horizonterweiterung statt. „Der BBK sieht Chancen zur künstlerischen Weiterentwicklung in diesem Dialog mit den neuen Kulturen und Herangehensweisen, die die geflüchteten Künstler aus allen Teilen der Welt mitbringen“, so der Vorsitzende. Anne Fiedler als Mitorganisatorin der diesjährigen Ausstellung hatte dafür die nötigen Kontakte. Ihr Kunsttreff „Art together“ in Willich ist seit 2016 ein offenes Atelier für geflüchtete Künstler, denen in der Regel keine Räumlichkeiten für eine künstlerische Arbeit zur Verfügung stehen.

So hat sich auch der syrische Bildhauer Moumen Chamoun, Absolvent und ehemaliger Dozent der Fine Arts an der Universität Aleppo, in der Wahl des Materials und der Formate seiner Arbeiten an diese Situation angepasst. Seine Skulpturen, die in eine Reisetasche passen, sind aus Gießstein. „Ich habe etwas über unsere arabisch-orientalische Kultur gemacht“, sagt Chamoun. „Vielleicht kann der Stein besser sprechen als ich.“ Ihm ist es wichtig, Gefühle in seinen Figuren auszudrücken. Dabei fällt bei einer Frauenskulptur auf, dass er mit dieser vor Selbstbewusstsein strotzenden Frau künstlerisch auch eine Reise in den Jugendstil gemacht hat.

Frauendarstellungen sind ebenso das Thema von Sherihan Baklaro. Die Syrerin versucht durch Farbauswahl und Pinselführung, die Emotionen von Frauen in ihren Werken auszudrücken.

Mit Videos gibt Bassam Alkhouri einen kleinen Einblick in seine Arbeit. Er studierte in Damaskus und in Enschede. In seinem Video „Because“ beispielsweise dreht sich alles um einen Pass, um Papierschnipsel, die große Bedeutung und Macht besitzen. „Ich möchte Propaganda machen gegen die Propaganda meiner Regierung.“ Das ist eines seiner Ziele. Vor allem kommt es ihm darauf an, Kommunikation und Wissen voneinander zu fördern. „Kunst ist eine Sprache von meiner Sprache.“ In klassischen Gefilden bewegen sich in der Freien Fahrt 2017 beispielsweise Arbeiten von Christa Sprenkmann und Marlies Witte, Gemälde in Öl beziehungsweise Acryl, vom Meer.

Wasser scheint auch vordergründig das Thema bei Anne Fiedler zu sein. „Flut“ heißt ihr großes Gemälde mit zahlreichen Booten, das von einer Folge kleiner quadratischer Bilder rechts gerahmt wird, die vergrößerte Ausschnitte aus dem Hauptbild sein könnten. „Es ist für mich gerade die künstlerische Herausforderung, Bewegung und Massen abzubilden.“ Welche Assoziationen der Betrachter ihrer Bilder hat, will sie bewusst offen lassen. Für sie stellen die kleinen Bilder mit ihren hellen Farben jedoch Dunkelheit dar: „Auch diese Farben können für mich Leere, absolutes Nichts bedeuten.“

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