Hier dreht sich alles um Filmspulen

Hier dreht sich alles um Filmspulen

Ton- und Filmaufnahmen sichten, bearbeiten und dann für die Nachwelt digitalisieren: Das nimmt Zeit in Anspruch. Die Mitarbeiter des Stadtarchivs stellen sich der zeitaufwendigen Arbeit jeden Tag.

Fotos, Musikträger, historische Dokumente, Karten, Urkunden und Amtsbücher: Das Stadtarchiv Krefeld ist ein Fundus an alten Schätzen. Die verschiedenen Quellen ermöglichen eine Reise zurück in die Vergangenheit. Auch Filme sind im Stadtarchiv nicht mehr wegzudenken. „Mithilfe der historischen Quellen können wir in die Vergangenheit schauen und den historischen Wandel verstehen“, erklärt Archivleiter Olaf Richter. Davon ist auch seine Kollegin Sabine Weber felsenfest überzeugt. „Filme haben eine hohe Anschaulichkeit“, sagt die studierte Archivwissenschaftlerin.

Seit 2015 ist sie im Krefelder Stadtarchiv tätig. Knapp 400 Ton- und Filmaufnahmen sind bis zum Beginn der Digitalisierung im vergangenen Jahr im Krefelder Archiv eingetroffen. Zusätzlich werden weitere 250 Medien aus dem Theaterbestand fortlaufend digitalisiert. Vor einem Jahr begann die 36-jährige Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste, die ersten Filmschnipsel zu sichten, erschließen und digitalisieren. Insgesamt wurden bereits 85 Prozent der Medien gesichtet, davon fünf Prozent digitalisiert.

Hierbei handelt es sich um 8-, 16- und 35-Millimeter-Filme. „Leider sind unter den 400 Medien auch vier Spulen mit dem Essig-Syndrom dabei“, erzählt Weber. Hierbei handelt es sich um einen Zersetzungsprozess, der Acetatfilme zerstört. Allerdings können nur Filme verarbeitet und digitalisiert werden, die nicht von der ansteckenden „Krankheit“ betroffen sind. Wenn alles glatt läuft, soll gegen Ende des Jahres der Vorgang der Digitalisierung abgeschlossen sein.

Besonders die Filme aus den Jahren 1906 bis 2017 faszinieren Sabine Weber. „Erst letztens habe ich einen Film von einem Fußballspiel der Archiv-Fußballmannschaft entdeckt“, erzählt sie und dreht an einem alten Video-Editor. Aber das ist noch nicht alles: „Wir haben Filmmaterial von der alten Ölfabrik „Holtz & Willemsen“ in Uerdingen. Es ist interessant, wie damals die Produktion, das Labor und die Vertriebswege aussahen“, sagt sie. Das Material wurde in den Jahren 1933 bis 1945 aufgenommen.

Auch der Filmemacher Theo Hoeboer hat mit eigenen Filmquellen aus den 1940er und 1950er Jahren von privaten Reisen, Weihnachtsfeiern während der Kriegszeit und einem Betriebsausflug im Krefelder Forstwald zur Archivsammlung beigetragen. Für Weber alles äußerst faszinierend und spannend. Allerdings räumt sie ein, dass die Digitalisierung der Filmesammlung nicht ganz so einfach sei wie das Lesen von historischen Akten oder anderen Schriftstücken. Für die anfängliche Digitalisierung der Medien sind finanzielle Mittel im hohen vierstelligen Bereich erforderlich. Hinzu kommt die nötige und richtige Technik, um bestimmte Filme zu sichten und die Filmstreifen vor dem Reißen zu schützen. „Es ist aber nicht leicht, ein Abspiel-Gerät aufzutreiben“, erklären Weber und Richter. Schließlich muss das Material sensibel behandelt werden. Die Filme sollten im Idealfall zwischen null und 18 Grad Celsius gelagert werden. Das Technische Dienstleistungszentrum schafft Platz für einen Lagerraum für audiovisuelle Medien.

Was die Haltbarkeit der Filme angeht: „Ungefähr 50 bis 100 Jahre können die Filme konserviert werden“, erklärt Weber. Dabei seien Schwarzweiß-Filme länger haltbar als Farbfilme. Dennoch sind und bleiben die alten Filmquellen für Weber interessant und vielseitig. Im Vergleich seien Fotos eher subjektiv und standortgebundener. Da kann sich Richter nur anschließen: „Mit einem Film lässt sich die Atmosphäre der Stadt in einem anderen Licht wahrnehmen.“ Am liebsten würde Sabine Weber nichts anderes mehr machen. „Man hat immer etwas zu tun, und mir wird bei der Digitalisierung nie langweilig“, schwärmt die 36-jährige.

„Wem jetzt auffällt, dass er zuhause noch alte Filmquellen auf dem Dachboden herumfliegen hat, kann sich gerne im Stadtarchiv melden“, sagen Richter und Weber. „Wir freuen uns, wenn wir weitere historische Quellen in unsere Digitalisierung miteinbeziehen können.“