Literatur : Gesichter der Seele

Der Diplom-Psychologe Georg Rupp schreibt heitere und lebensnahe Kurzgeschichten mit Tipps fürs Leben

Georg Rupp hat nicht ein Buch geschrieben und veröffentlich, sondern gleich zwei. „Es sind Zwillinge“, sagt er und lächelt. Der feine Humor des Diplom-Psychologen geht in den lebensnahen Kurzgeschichten mit Ratschlägen fürs Leben einher, mit einem „psychologischen Touch“, wie der 72-Jährige sagt. Die beiden kleinen, überaus lesenswerten Werke tragen die Überschrift „Gesichter der Seele“, Band 1 und Band 2. Fünf sollen es später dann mal werden.

Es sind „Geschichten, die ein Therapeut erzählt“, wie es im Untertitel heißt. Es seien aber keine psychologischen Fachbücher, betont der Autor. „Es sind Anekdoten für zwischendurch, für ein verregnetes Wochenende oder die Bank am See, beispielsweise. Sie haben einen Kolumnenstil, der teils ernst, teils mit rheinischem Humor daherkommt. „Denn nur ernst kann ich nicht“, berichtet Rupp, der auch als Präsident der Gesellschaft Creinvelt zeichnet.

Eigentlich wollte der Psychologe die heilsamen Geschichten mit „Fährmann der Seele“ überschreiben. „Er begleitet die Menschen von dem einen Ufer, an dem es viele Ängste gibt durch die Krise, ans andere, sichere Ufer“, erklärt Rupp. Doch das wäre ihm zu sehr auf sich selbst fokussiert gewesen.

„Schattenzeiten bereiten uns vor auf das Licht“

Die aufbauenden Kurzgeschichten sind fachlich fundiert, aber doch locker-leicht und unterhaltsam zu lesen. Zwei Dinge gaben den Anstoß dazu, als Rupp auf den 70. Geburtstag zusteuerte: „Sie müssen ihr Wissen auf Papier bringen, damit es nicht verloren geht“, sagten die Patienten. Außerdem sei er mit seiner Frau Claudia vor Corona auf einer geführten Tour durch die USA und zum Schluss zehn Tage in einem abgelegenen „Kloster ohne Mauern“ gewesen, in einem Schweigekloster mit viel Meditation im Norden Kaliforniens.

Da sei aber wirklich gar nichts los gewesen, absolut langweilig, erzählt Rupp. Daher hat er sich mit Bleistift und Papier hingesetzt und gewartet, was passiert, was in den Stift fließt. „Kurzgeschichten sind geflossen über Gott und die Welt, über meinen reichen Erfahrungsschatz aus der Praxis, aus denen sich jeder Leser etwas herausholen kann – wie ein Kessel Buntes.“

Fast am Ende jedes kleinen Beitrages gibt es eine Anmerkung unter einer gedruckten Linie, die stets „Unter dem Strich“ heißt. Dort erklärt er psychologische Dinge mit leichter Hand, Optimismus verbreitend. Einige Textstellen lauten: „Dein Wert als Mensch ist unabhängig von Deinen Erfolgen oder Misserfolgen.“ Und: „Schattenzeiten bereiten uns vor auf das Licht.“ Oder: „Hauptsache wir verplempern die Zeit mit inniger Freude.“

Ein Kapitel handelt von „Lebensfreude kaufen“, ein anderes von „Sie haben ihr Ziel erreicht“ über das Fahren ohne Navi oder „Der Zwerg am zehnten Loch“. Rupp lässt aber auch andere erzählen. Beispiel: „Charlie Brown erklärt: Depressionen für Einsteiger.“ Zitat: „Das Schlimmste, was du tun kannst, ist deinen Kopf hochzuhalten, weil du dich dann gleich besser fühlst.“