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Theater Krefeld und Mönchengladbach: Generalmusikdirektor Mihkel Kütson bleibt bis 2027

Theater Krefeld und Mönchengladbach : Generalmusikdirektor Mihkel Kütson bleibt bis 2027

Der Vertrag des Chefdirigenten der Niederrheinischen Sinfoniker und des Theaters Krefeld und Mönchengladbach wurde vorzeitig verlängert.

Am Donnerstag gab es vom Theater Krefeld und Mönchengladbach nicht nur schlechte Nachrichten – man stellt den Spielbetrieb wegen Corona bis mindestens 30. März ein – zu vermelden. Denn eigentlich sollte im Rahmen einer Pressekonferenz eine für das Haus als überaus positiv wahrgenommene Nachricht verkündet werden. Der Vertrag des Generalmusikdirektors (GMD) Mihkel Kütson wurde vorzeitig bis 2027 verlängert. Auch wenn der Rahmen momentan kein schöner ist, dürfte für viele Musikfreunde die Verlängerung des Vertrags, der 2022 ausgelaufen wäre, eine durchaus freudige Nachricht sein.

Mihkel Kütson ist seit 2012 Generalmusikdirektor in Krefeld

Heutzutage sei es eigentlich keine Selbstverständlichkeit, dass GMD derart treu an einem Hause blieben – immerhin leben wir in sehr schnellen Zeiten. Doch Kütson, der seit der Spielzeit 2012/13 dieses Amt am Haus ausfüllt, scheint hier seine musikalisch-künstlerische Heimat gefunden zu haben. Aus den Worten der beiden Oberbürgermeister der Trägerstädte Krefeld und Mönchengladbach – die im Aufsichtsrat über seine Verlängerung zu entscheiden hatten – war deutlich herauszuhören, dass sie Kütson nicht nur wegen seiner künstlerischen Qualitäten gerne halten wollten, sondern auch wegen seiner menschlichen. Als kollegial und aufgeschlossen beschrieb ihn auch Generalintendant Michael Grosse. Und betont, dass der gebürtige Este viel für die klangliche Entwicklung der Niederrheinischen Sinfoniker getan habe, wertvolle Akzente durch eine profilierte und zeitgleich dem Publikum zugewandte Programmgestaltung gesetzt habe. Eine „Win-win-Situation“ für die Sinfoniekonzerte und das Musiktheater.

Hierbei seien zudem viele experimentelle Wege für das bisherige Wirken des GMDs bezeichnend gewesen, die auch das Musiktheater am Gemeinschaftstheater wieder in das Zentrum gerückt hätten, schwärmte man.

Für Kütson selbst ist die Verlängerung auch mit offenbar großer Freude verbunden. „Ich habe mit dem Orchester einen Partner auf Augenhöhe gefunden“, sagt er. Es sei ein sehr offenes und fruchtbares Miteinander, betont der 1971 geborene Dirigent.

Es ist also offensichtlich, dass alle Seiten großes Interesse daran gehabt haben, dass die Vertragsverlängerung zustande komme, wie aus einem Statement von Oberbürgermeister Frank Meyer auch deutlich hervorgeht. So sei auch an den Reaktionen der Krefelder Kulturszene auf Kütsons Arbeit der Erfolg seiner bisherigen Amtszeiten abzulesen. „Er ist in der Lage, aus unserem Orchester noch mehr herauszuholen“, sagte Meyer.

Doch bei einer derartigen Vertragsverlängerung, die übrigens aus planerischen Gründen oft schon frühzeitig erfolgen muss, darf, ja sollte man nicht nur zurückblicken. In der Tat haben die Niederrheinischen Sinfoniker gemeinsam mit Mihkel Kütson eine durchaus eigene musikalische Handschrift entwickelt und gezeigt, dass auch an mittelgroßen Häusern hohe musikalische Qualität – man möchte ergänzen, nicht immer aber immer öfter – gewünscht, möglich und konsistent erlebbar sein kann. Diese gemeinsame Entwicklung weiterzuführen, mag eine der zentralen Aufgaben des jetzigen und neuen GMDs sein. Hier und da gibt es ja noch manchmal etwas zu feilen.

Der GMD möchte das Orchester stilistisch breiter aufstellen

Kütson selbst hat sich Folgendes vorgenommen: „Für mich ist wichtig, dass wir uns stilistisch noch breiter aufstellen, als es schon jetzt der Fall ist“, sagt er. Das heißt natürlich auch noch mehr, vielleicht auch neues oder sich noch vor Sinfonieorchestern etwas scheuendes Publikum, einzuladen, die Sinfoniker für sich zu entdecken. So wäre es denkbar, auch zeitlich „kompaktere“ Konzertformate zu entwickeln, die niederschwelliger sind. Das kann gelingen, ohne Anspruch und Kunst aufzugeben.

Aber auch rein künstlerisch gibt es weiteres Entwicklungspotenzial. So möchte Kütson an der „historischen Spielpraxis“ intensiver mit seinem Orchester arbeiten. Also an jenen feinen Unterschieden, die es braucht, um etwa Musik des Barock möglichst authentisch zum Klingen zu bringen. Man habe beispielsweise Naturtrompeten angeschafft, jene Instrumente wurden früher in Orchestern gespielt.

Aber wir wollen hier nicht zu tief in Details einsteigen. Absolut löblich ist diese Hinwendung eines städtischen Orchesters auch zu „historischen“ Spielweisen allemal, denn diese „Übung“ hilft nicht nur, Bach, Mozart, Beethoven und Co. „glaubhafter“ zu spielen, sondern kann auch den Klang eines Orchesters verfeinern und im orchestralen Alltag raffinierter machen. Kütson hat viel vor. Das ist gut für Krefeld.