Gelungen gesungen, gespielt und getanzt

Gelungen gesungen, gespielt und getanzt

Eine grandiose Premiere erlebten die Zuschauer des Musicals „Nora oder Die Suche nach dem Glück“ in der Musikschule.

Krefeld. „Seit Wochen liegt eine knisternde Spannung über der Musikschule“, bemerkt Ralph Schürmanns in seiner Begrüßung vor natürlich vollem Haus — beziehungsweise vollem Helmut Mönkemeyer Saal. „Heute wird ein weiteres Kapitel in der Erfolgsgeschichte des Musikschultheaters geschrieben“, verkündet der Hausherr. Dann kann die Premiere von „Nora oder Die Suche nach dem Glück“ beginnen.

Doch eigentlich hat sie schon begonnen, denn seit einer Weile schon sitzt die Hauptdarstellerin Nora, am ersten Premierenabend von Pauline Drees gespielt, auf der Kirchenbank vor dem geschlossenen roten Vorhang. Sie hat sich die ganze Zeit mit einem kleinen Buch beschäftigt. Sie steht auf, nähert sich dem Publikum und wirft die Frage in den Raum: „Wisst Ihr eigentlich, was das ist — Glück?“ Und damit sind die Zuschauer auch gleich im Thema des Musicals, bei dem Julia Polziehn für die Texte, und Markus Giesen für die Musik verantwortlich zeichnet.

Eine erste Antwort darauf geben singend und tanzend das Kinder- und das Jugendensemble. Plötzlich bewegen sich scheinbar alle Generationen auf der Bühne und man kann mit Schmunzeln erkennen, welche Arbeit die Maske (Claudia Petersen) hatte, aus Charlotte Ehlers und Aaron Minkenberg ein Großelternpaar zu schminken. Doch das Glück, das erst einmal besungen wird, dreht sich um das erste Eis des Sommers. Aber die 61 Jahre, die das Großelternpaar verheiratet sind, sollen später auch noch als eine andere Variante des Glücks besungen werden.

Dann rückt das Jugendensemble in den Vordergrund — als „Aussteiger“ in ihrem „Basislager“. Dazu gehört selbstverständlich ein Liebespaar, am Samstagabend sind es Josephine Petersen als Paula, die Klassenbeste, und Clemens Knors als Schulabbrecher Jonny. Die Gespräche drehen sich um den „Ausstieg aus dem etablierten System“ und so besingt man das Glück als Möglichkeit, frei zu sein und sein Leben nach eigenen Wünschen zu gestalten.

Diese abwechslungsreich gestaltete Szene bietet schon einer Reihe von Sängerinnen und Sängern aus dem Jugendensemble die Gelegenheit, ihre Statements zu Glück zu singen. Die Choreographie (Josephine Petersen) schließt einige Hebefiguren ein. Pater Nikolaus, der „Jugendlichen-Versteher“ ist mit Joel Bamiselu hervorragend besetzt, seine Statur liefert allein schon die Autorität.

Doch allen Akteuren auf der Bühne kann man eine erstaunliche Bühnenpräsenz bescheinigen. Die Sprecherziehung, die mit zur Vorbereitung der Aufführung gehörte, ist permanent nachvollziehbar. Auch die Mitglieder des Kinderensembles agieren wie kleine Profis. Oft haben sie dafür nur die kleinen abgestuften Podeste rechts und links der Bühne, auf denen sie sprechen, singen und sich häufig noch bewegen müssen. Niemand fällt dabei im Eifer des Spiels herunter.

Dass die Musik auch als ein Schlüssel zum Glück verstanden werden kann, erstaunt bei einer Musicalaufführung nicht. Dies bietet Gelegenheit, noch mehr alle Register zu ziehen. Da bringt die Fitnesstrainerin Gina (Antonia Wolters) das Völkchen — inklusive dem in seiner Rolle nicht gerade sportlichsten Pater — zum Schwitzen.

Zu den ruhigen und nachdenklichen Momenten gehört der Gesang von Maria (Flora Dautermann), einem Mädchen, das seinen Vater vermisst. Bei diesem Lied wird besonders deutlich, dass die Musik den jungen Sängerinnen und Sängern auf den Leib geschrieben wurde. Die Stücke überfordern sie nicht, sie können souverän damit glänzen. Unter den schauspielerischen Leistungen, die alle aufs Parkett legen, darf man durchaus die eines extrem schüchternen Bankangestellten (Jeremy Allen) besonders loben.

Das Publikum ist restlos aus dem Häuschen und bekommt Gelegenheit zum endlosen Applaus. Gefühlt ein halber Blumenladen wird an alle Akteure auf der Bühne und alle an der Musicalproduktion Beteiligten verteilt, bis es dann die musikalische Aufforderung der Kinder und Jugendlichen gibt: „Schnappt Euch das Glück!“

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