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Galerie-Schau: Aus dem Schornstein steigt eine üppige Venus

Galerie-Schau: Aus dem Schornstein steigt eine üppige Venus

Heiter-ernste Bilder und Skulpturen von Dong-Yeon Kim in der Galerie von Marie-Luise Fellner von Feldegg.

Krefeld. Früher waren sie Zeichen des industriellen Fortschritts, im Zeichen des viel diskutierten Klimawandels sieht es etwas anders aus. Gemeint sind rauchende Fabrikschornsteine. Plastisch geformt und auf Bildern gemalt, sind sie in den Arbeiten von Dong-Yeon Kim zu finden. Diese und andere neue Werke zeigt der aus Seoul stammende Künstler ab Sonntag, 29. April, in der Galerie von Marie-Luise Fellner von Feldegg.

"Kleine Wahrheiten" heißt die Schau, die sich in einer Mischung aus Ernst und Heiterkeit mit dem Menschsein von heute auseinandersetzt. Kleinformatige Bilder zeigen mehrfach in unterschiedlichen Farben das Motiv eines Sees. Mal wird durch Konturen seine Tiefe umrissen, mal bleibt es bei einer in geheimnisvollem Grün schimmernden Oberfläche. Der transparente Farbauftrag der äußerst dünnflüssigen Acrylfarbe verleiht den Bildern zudem einen besonderen Charakter.

Oft korrespondieren Bilder und Skulpturen. Neben den Schornsteinen tauchen immer wieder Häuser als Motiv auf. Als Inbegriff des menschlichen Wohnens stehen sie auch für den Menschen selbst, zeigen ein unterschiedliches Werteverständnis. Ein aus Sperrholz und Stoffen gefertigtes kaputtes Haus stellt der Künstler auf ein Podest, das eher an den Zugang zu einer Pyramide erinnert. Auch die aus kleinen Steinen gemauerten Schornsteine werden ironisch überhöht.

Die daraus hervorquellenden Wolken aus Gips zeigen mal kleine Engel, mal Rundungen, die an einen üppigen Frauenkörper erinnern. "Venus" hat Dong-Yeon Kim diese Türme genannt. Das Bild der schaumgeborenen Botticelli-Venus hat ihn dazu inspiriert. Ein Spielzeugauto am Abgrund eines Kraters ist ebenfalls ein Kommentar zur modernen Industriewelt. Durch den Kohleabbau ist die Welt reicher aber auch brüchiger geworden, vieles ist eine Gratwanderung.

Die Polarität der modernen Welt ist hier auf eine nicht immer leicht nachzuvollziehende, aber sehr subtile Art und Weise zu finden. Jeder kann dabei seine eigenen "kleinen Wahrheiten" entdecken (bis 27. Juni, Eröffnung am Sonntag ab 15 Uhr).