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Ausstellung im Südbahnhof: Flaggen als Ausdruck einer offenen Gesellschaft

Ausstellung im Südbahnhof : Flaggen als Ausdruck einer offenen Gesellschaft

Mit der Ausstellung "turkish flags" zeigt das Werkhaus eine Türkei, die vielfältig und bunt ist.

Krefeld. „Die Entwicklungen in der Türkei haben uns gewissermaßen eingeholt“, sagt Anja Jansen vom Werkhaus, während sie im Südbahnhof durch die Ausstellung „turkish flags“ führt. Gezeigt werden Arbeiten von Grafikern des Landes.

Der Clou: Die Werke wurden auf Fahnenstoff gezogen. Ein ähnlicher Stoff, der seit dem Putschversuch in der Türkei als Nationalflagge eine ganz eigene Bedeutung erhalten hat.

Im Südbahnhof wird das Material genutzt, um „eine vielfältige und offene Gesellschaft“ der Türkei zu zeigen, macht Anja Jansen deutlich. Die Motive könnten dabei nicht unterschiedlicher sein. Sie zeigen, trotzdem sie oftmals gezielt für Wettbewerbe oder ähnliche Anlässe erstellt wurden, ganz unterschiedliche Facetten einer vielfältigen Kulturszene, die sich nicht mit einfachen Parolen zufrieden gibt.

Da ist zum Beispiel Sükran Moral, die eine Hochzeit zeigt, in der die Rollenbilder vertauscht werden. Das Bild, das bei einer Performance im Jahr 2010 gemacht wurde, zeigt eine Braut, die gleich vier Männer heiratet. „Sükran Moral ist international bekannt dafür, dass sie sich für Frauenrechte einsetzt“, erklärt Anja Jansen vom Werkhaus. In ähnlicher Weise verdreht auch eine Arbeit von Burat Delier mit einem plakativem Trick die Bedeutungen.

Der 1977 geborene Künstler zeigt einen mit einem Niqab-Schleier verdeckten Kopf einer Frau. Die Verschleierung besteht dabei aus der Flagge der Europäischen Union mit den zwölf goldenen Sternen. Ein Paradebeispiel dafür, wie über plakative Darstellungen ein interkultureller Diskurs angefacht werden kann. „Gerade über diese plakative Art und Weise kann man einen Dialog zustande bringen“, ist sich Anja Jansen sicher. Damit das Diskussionspotenzial nicht einfach verpufft, haben sich die Initiatoren vom Werkhaus gleich mehrere Mitmach-Aktionen einfallen lassen, die in Kooperation mit dem Flüchtlingsrat veranstaltet werden und parallel zur Ausstellung laufen.

Beim „Schrift(ex)kurs“ haben beispielsweise junge Syrerinnen Beiträge zum Thema vorgestellt. Beim „Bild(ex)kurs“ am 8. November, 17 bis 20 Uhr, geht es um die Aufnahme neuer Fotos, die in Bezug zur Ausstellung stehen sollen. Beim Thema Wort am 22. November, 17 bis 20 Uhr, geht es von der Sprechübung bis zur Literaturlesung. Am 4. November, ab 19 Uhr, gibt es zudem ein Kamingespräch mit Yunus Ulusoy von der Stiftung Zentrum für Türkeistudien. In kleiner Runde soll über das Leben im Ausnahmezustand und die Hintergründe, die immer noch mit vielen Fragezeichen versehen sind, gesprochen werden. Anja Jansen hofft auf interessierte Teilnehmer. Und: „Es ist eine Veranstaltung für Leute, die Fragen stellen wollen.“

Für den Bild- und Schriftkurs können sich Interessierte auf der Internetseite des Werkhauses anmelden. Treffpunkt ist immer der Südbahnhof.