Filigran verflochtene Kunstmusik trifft auf Jazz

Jazz im Foyer : Kunstmusik trifft auf Jazz

Der Berliner Saxophonist Peter Ehwald stellte im Stadttheater ein sehr ambitioniertes Projekt vor.

„Le Septuor de Grand Matin“ bedeutet so viel wie „Septett früh am Morgen“. So hat der Berliner Jazzsaxophonist Peter Ehwald ein Projekt getauft, für das er die Kompositionen immer in den frühen Morgenstunden geschaffen hat. Die stellten in einer Phase seines Lebens einmal den einzigen Freiraum dar, in dem ihm die kompositorische Arbeit möglich war. Ehwald, der in Krefeld bereits einmal mit seiner Band Double Trouble zu Gast war, gastierte mit seinem Projekt auf Einladung des Jazzklubs Krefeld im Foyer des Stadttheaters.

Ungewöhnlich ist an Ehwalds Projekt schon die Septett-Besetzung. Ein klassisches Jazz-Quintett in der Besetzung Saxophon, Trompete, Klavier, Bass, Schlagzeug wird hier erweitert um die Positionen Gesang und Harfe. Letztere kommt im Jazz extrem selten vor.

Almut Kühne setzt ihre
Stimme beeindruckend ein

Laut Selbstauskunft vermischte Ehwald bei seinen Stücken das auf Arnold Schönberg zurückgehende Prinzip der Variation mit Anklängen an den Jazz der 1970er Jahre. Die Schönbergschen Einflüsse können hier im Detail nicht dargestellt werden. Vom Ergebnis her aber lässt sich zusammenfassen, dass bei Ehwalds Projekt spröde und komplex daherkommende Kammermusik des frühen 20. Jahrhunderts auf frei aufgefasste Grooves des frühen Jazz-Rocks trifft.

Für die Melodiefraktion mit Ehwald selbst überwiegend am Tenor-, aber auch am Sopransaxophon, dem Trompeter Richard Koch und der Sängerin Almut Kühne hat der Komponist Ehwald spannend gegliederte Passagen geschrieben. Fein ausgeführte Mehrstimmigkeit und farbenreiche Satztechnik wechseln hier einander ab. Almut Kühne, die ihre Stimme äußerst beeindruckend sehr instrumental einsetzt, sorgt hier immer wieder für das klanglich Besondere. Mal gesellt sich ihre Stimme in hohen Lagen wie schwebend dazu, dann sorgt sie mit Tremolo und anderen Techniken für irritierende Akzente.

Kathrin Pechlof an der Harfe ging im insgesamt zwar luftig-kammermusikalischen, aber durch die teils sehr komplexe Verwebung der Stimmen sehr dichten Klangbild ein wenig unter. Nur ab und zu war die besondere Farbe ihres Instruments deutlich herauszuhören.

An Stefan Schulzes Klavierspiel war auffällig, dass er kaum einmal, wie im Jazz üblich, Akkorde griff. Übliche Funktionsharmonik dürfte hier auf den Spuren Schönbergs aber auch wohl kaum eine Rolle spielen. Anstatt dessen war bei Schulze sehr oft die minimalistische Variation von kleinen Motiven zu hören.

Matthias Akeo Nowak am Kontrabass und John Schröder am Schlagzeug grundierten das kunstvolle Geflecht der Kollegen sehr häufig mit freien Grooves, überwiegend binär, also an geraden Achteln ausgerichtet, aber ohne die Eindeutigkeit gleichmäßig wiederkehrender Akzente. Ihr Spiel sorgte dennoch für die nötige Erdung.

Natürlich variierte Ehwald in seinen Kompositionen auch die Anzahl der jeweils aktiven Musiker, reduzierte oft genug die Stimmenzahl. Am überzeugendsten waren allerdings immer wieder die Tutti-Passagen, bei denen der scheinbare Widerspruch von komplexer Stimmverflechtung und filigran-leichter Wirkung stets erstaunte.

Nur selten wurde ein Spieler einmal mit einem jazzüblichen Solo in den Vordergrund gestellt. Ehwald agierte hier mit der größten Nähe zum Jazz, Almut Kühne verblüffte mit ihren ungewöhnlichen Gesangstechniken.

Am Ende viel Applaus für Ehwalds ungewöhnliches Projekt, das trotz großer Abgehobenheit in der Wahl der Mittel zu fesseln imstande war.

Mehr von Westdeutsche Zeitung