Felix Droese: Er legt den Finger in die Wunde

Felix Droese: Er legt den Finger in die Wunde

Noch bis Mittwoch stellt der Beuys-Schüler in den „dollen Räumen“ der Villa Goecke aus.

Krefeld. Mit ihren Stuckdecken und Parkettböden ist die Villa Goecke ein Architekturjuwel der Gründerzeit. Für Felix Droese sind es einfach "Dolle Räume", in denen seit 2004 zeitgenössische Kunst gezeigt wird. Diesen etwas flapsigen Titel trägt die am Mittwoch endende Ausstellung des Künstlers, die durch den Untertitel "Der Galerist gab Suppe aus" einen zusätzlich skurrilen Anstrich bekommt.

Suppe gab es bereits auf der Vernissage, die zugleich eine Geburtstagsparty für Droese war. 60 Jahre alt ist der Künstler geworden - und hat die Suppenparty zur Tradition gemacht. Eine Bleistiftzeichnung, die genau das festhält, ist von 1980 datiert.

Dem Anlass gemäß, ist die Ausstellung ein wenig retrospektiv angelegt. Sie zeigt einen Künstler, der seine Umwelt nach wie vor kritisch beobachtet und hinterfragt. Seine Werke stehen stets mit einer gesellschaftlichen und politischen Kritik in Verbindung, die er jedoch nie vordergründig plakativ formuliert - obwohl provokante Titel wie "Ich habe Anne Frank umgebracht" anderes vermuten lassen.

In den Arbeiten steckt viel Subtileres, als man vom Beuys-Schüler zunächst erwarten möchte. Kreativität bedeutet für Droese, die Komplexität der Dinge zu erkennen und eigene Lösungsansätze stets kritisch zu hinterfragen. Dieser stark selbstreflexive Blick ist heute eher rar geworden.

Umso wichtiger sind Künstler wie Felix Droese, die immer wieder unbequeme Themen aufgreifen und den Finger in die Wunde legen. Die jetzige Ausstellung, die mit Schattenrissen, Holzdrucken und Objekten die ganze Vielfalt seiner Arbeit ausbreitet, zeigt seine Vorgehensweise besonders einprägsam.

In einer Vitrine sind verschiedene Schriften wie bibliophile Kostbarkeiten ausgebreitet. Ein Goethe-Band steht neben einem Werk des Krefelder Schriftstellers Otto Brües. Die inhaltlichen Zusammenhänge sind jedoch nicht ohne Brisanz.

Droese bezieht sich auf ein lange verbotenes Theaterstück von Voltaire, "Mahon et le fanatisme", das Goethe übersetzt hat. Auch die Idee einer "Wahrheitsmanufaktur", die Friedrich der Große bei einem Treffen mit Voltaire diskutierte, spielt hier eine Rolle. Das legendäre Treffen des Preußenkönigs mit dem französischen Philosophen am Niederrhein machte Brües zum Thema seiner Novelle "Schloss Moyland".

Diese Vitrine und das Mappenwerk "Mahomet am Niederrhein" ist Droeses Reflexion zu einem Thema, das heute aktueller ist denn je ist. Der Brückenschlag ins 18. Jahrhundert, das ja auch das Zeitalter der Aufklärung war, macht dies umso deutlicher.