Fabrik Heeder: "Bahman-Bagdad" - die Geschichte einer heimlichen Beziehung

Fabrik Heeder: "Bahman-Bagdad" - die Geschichte einer heimlichen Beziehung

Die Iranerin Shabnam Tolouei inszeniert ihr Stück in der Fabrik Heeder. In Teheran wurde es verboten.

Krefeld. Eine Frau betritt voll bepackt eine Wohnung. Sie trägt einen Schal auf dem Kopf. Sie legt ihre Bündel ab, den Schal zur Seite. Als es wenig später klopft, zieht sie sich schnell anstatt des Schals ihren Umhang über, bevor sie die Tür öffnet. So beginnt eine Szene von "Bahman-Bagdad". Das Stück spielt offenbar in einer anderen Kultur, es spielt im Iran. Shabnam Tolouei inszeniert es für das Stadttheater in der Fabrik Heeder.

Die Uraufführung eröffnet die Reihe Außereuropäisches Theater, mit der das neue Team unter Intendant Michael Grosse die Auseinandersetzung mit fremden Kulturen fördern will. "Das Stück hat eine Odyssee hinter sich", sagt Grosse.

Die Regisseurin Tolouei hat es zusammen mit Amir Aghaee geschrieben, die iranische Zensurbehörde hat es jedoch vor der Premiere in Teheran verboten. In Paris hat Tolouei dann den Stoff weiter bearbeitet, nun kommt das Stück in Krefeld heraus.

Yalda (Esther Keil) hat sich vor ihrem gewalttätigen Ehemann in die Wohnung einer Freundin geflüchtet. Dort sucht sie immer wieder der Sohn der Hausbesitzerin auf. Zwischen Hamed (Ronny Tomiska) und Yalda entwickelt sich eine Beziehung, die - im Iran - nicht sein darf, und die dann auch keine Zukunft hat.

Im Iran herrscht eine Diktatur, der Islam ist Staatsreligion. Frauen müssen in der Öffentlichkeit ihren Kopf bedecken. Männer dürfen Frauen nicht direkt ansehen.

Unter diesen Voraussetzungen wirkt sich das Politische stark auf das Private aus. "Im Iran führen wir ein Doppelleben", erklärt Tolouei. Ihr Stück sei aber nicht anti-religiös, es richte sich vielmehr gegen die Auffassung von Religion, die die Iraner Regierung gegenüber der Bevölkerung vertritt.

Teil der Probenarbeit war es, sich der fremden Kultur anzunähern, erzählen Keil und Tomiska. Sie mussten lernen, dass man auch im privaten Raum nicht zu laut wird, weil sonst ja die Nachbarn kommen, oder dass in neutralen Wasserflaschen auch schon einmal Alkohol für den verbotenen Gebrauch steckt.

"Paris ist meine zweite Heimat geworden", erklärt Tolouei, die mit ihrem Stück einen Blick in das Innenleben einer Diktatur ermöglicht, der in den westlichen Medien so kaum vorkommt.

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