Er malt die Einsamkeit

Er malt die Einsamkeit

Der Berliner Künstler Benedikt Richert stellt in der Galerie Börgmann aus. Er lässt sich von den Romantikern inspirieren.

Krefeld. Ein Mann steht an einem Strand. Dunkel türmen sich zu beiden Seiten die Felsen auf, das Meer ist grau und unruhig. Wie traumverloren steht der Mann da, erst bei näherer Betrachtung entdeckt man, dass er eine Waffe in der Hand hält. Was wird passieren? Geheimnisse umgeben fast alle Personen auf den Bildern von Benedikt Richert.

Ab Samstag (Eröffnung 20 Uhr) präsentiert die Galerie Börgmann den jungen Berliner Künstler in einer Einzelausstellung. "Flüstern und Schreien" ist der vielsagende Titel dieser Schau, die faszinierende Bilder eines außergewöhnlichen Malers zeigt. Richert malt ausschließlich in Öl. Mit zahlreichen Lasuren zaubert er feinste Farbnuancen, sanfte Übergänge und wunderbar neblige Stimmungen auf seine Bilder.

Dicke Farbkleckse bilden winzige Inseln, die sich reliefartig von der Leinwand abheben. Manchmal erinnert seine ausgefeilte Technik an alte Meister, an William Turner oder Caspar David Friedrich. Doch kleine Brüche wie die unverhofften Farbkleckse sorgen für eine Frische und Spontaneität, die seine Kunst ganz in die Gegenwart holt.

Eine Affinität zur Romantik bleibt bestehen. Es sind durchwegs einsame Menschen, die Richert malt, selbst wenn sie in kleinen Gruppen auftreten. Das zeigt sich in dem eindrucksvollen Bild von einem gewaltigen Baum, auf dessen Ast drei Gestalten sitzen. Die Perspektiven scheinen verschoben zu sein, denn die Figuren sind im Verhältnis zum Baum viel zu klein. Ihre Konturen sind unscharf, die rechte Gestalt scheint sich geisterhaft aufzulösen. Während diese drei Figuren im geheimnisvollen Dunst sind, heben sich die wunderbar plastisch gestalteten Strukturen des Baumstammes umso deutlicher ab.

Wichtiges Thema für den Künstler ist das Wasser, das er als Sinnbild für die Einsamkeit des Menschen einsetzt. So zeigt er in der Weite des Meeres ein winziges Boot mit drei Menschen drin. "Lost" ist der knappe Titel dazu, der aber das Schicksal der Drei auf den Punkt bringt. Auch hier wirkt jeder für sich, wie erstarrt. Die Ausstellung ist bis zum 26.September am Südwall 55 zu erkunden.

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