Krefelder Kultur: Elton John: funkelnder Raketenmann

Krefelder Kultur : Elton John: funkelnder Raketenmann

Krefeld. The Bitch Is Back: Sir Elton John hat die Samt- und Seidenstadt mit einem Konzertstopp auf seiner „Wonderful Crazy Night“-Tour beehrt und damit 6000 Fans mehr als glücklich gemacht.

Die kamen am Mittwoch teils von weither, um ihr Musik-Idol im Königpalast live zu erleben — und wurden nicht enttäuscht: 25 Songs, vom Welthit bis zur Neu-Nummer, spielte der Brite samt Band in zwei Stunden und 24 Minuten am Stück. Mit 69 Jahren klingt Elton John reif und rund wie nie.

Spot an, Glitzer, Glitzer: Mit blauem Pailletten-Gehrock, passendem Hemd und Sonnenbrille zündet der „Rocket Man“ mit „Funeral for a Friend“ den Reigen, schießt „The Bitch Is Back“ hinterher, schmettert „Bennie and the Jets“. Stehende Ovationen sind ihm nach jeder Nummer sicher, wofür sich die funkelnde Show-Hummel brav bedankt: tiefe Verbeugung, Fingerzeige in die Reihen — mehr nicht; den ganzen Abend.

Powert er noch oder spult er schon ab? Auf den Punkt liefert Elton John das ab, was man von ihm erwarten darf. Diese Disziplin, dieses Sitzfleisch: Der alte Showhase hoppelt noch. Und so hoch die Sprünge seiner Greatest Hits sind, so verheißungsvoll klingt’s neue Album „Wonderful Crazy Night“, aus dem er drei Nummern spielt. Als feiner Uptempo-Boogie-Feger (mein Gott, hat der flinke Finger) kommt „Looking Up“ daher, während „A Good Heart“ als in Purpur getauchte Powerballade mit der für ihn typischen Doppeldominanten-Theatralik gefällt. Schmusen und rocken — es ist ein Abend großer Gefühle.

Da verwundert es nicht, dass sich Nadine Diessmer und Ralf Biemhof wie andere Pärchen auch lange eng umarmen. „Diese Vielseitigkeit zwischen Rock-, Pop-, Gospel- und Countryelementen“ begeistert die Zwei aus St. Augustin, deren türkise Partnerlook-T-Shirts eine klare Botschaft transportieren: Elton John ist der Beste!

Und der Beste tut, was er am besten kann: Klavierspielen. Ein atemberaubendes Solo dekliniert von Klassik-Takten über flimmernden Boogie bis zu solidem Pop so ziemlich alles durch, was einem Pianisten aus den Fingern fließen kann — und sei’s ein walking bass als Effekthascherei. Schade nur: Zeitweilen ist der Sound hart verzerrt und zu laut, zwischen Hall und Hölle.

Dank Videowänden ist auch die letzte Reihe vorne. Liveübertragung Elton John, die Erste: übers Elfenbein flitzende massige Finger, die zuckende Augenbraue, der angestrengte Tastenblick — es sind die Markenzeichen eines Superstars. Dass dessen Hals bei einigen Gesangspassagen verschwunden und so mancher Vokalpart schief zu sein scheint, spielt dabei keine Rolle. The show must go on.

Der Gänsehautmoment des Abends: „Rocket Man“, ganz klar. Der Nostalgischste: „Have Mercy on the Criminal“ von 1973. Die Zugabe: „Don’t Let the Sun Go Down on Me“. Jeder Fan nimmt wohl seinen ganz persönlichen Moment mit, etwa den Bühnensturm bei „Sad Songs“ oder die Ausgelassenheit zu „I’m Still Standing“. Am Ende dann erneut der Sprung vom Klavierschemel, die Arme ausgebreitet, als habe er die ganze Halle ins Herz geschlossen. Tiefe Verbeugung. „You are an amazing crowd“, sagt Sir Elton John, ich hab‘ euch alle lieb. Die Fans lieben ihn dafür.

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