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Krefeld: Eine schaurig schöne Horrorshow in Krefeld

Krefeld : Eine schaurig schöne Horrorshow in Krefeld

Alice Cooper begeisterte seine Fans in Krefeld mit einem theatralischen und musikalisch starken Auftritt.

Krefeld. Um 21.15 Uhr wird es dunkel im Königpalast: Aus den Lautsprechern ertönt eine Stimme. „Ihr seid auserwählt, die Nacht mit Alice Cooper zu verbringen. Eine Nacht voller Albträume und Wahnsinn.“ Dann fällt der Vorhang und der Schock-Rocker betritt in seinem schrillen Outfit, mit schwarzer Weste, Stab und gruseligem Make-up, die Bühne. Er legt mit dem Song „Brutal Planet“ aus dem im Jahr 2000 veröffentlichten, gleichnamigen Album los und wirft seinen Stab gleich mal ins Publikum.

Alice Cooper hat in diesem Jahr mit „Paranormal“ sein 27. Studioalbum veröffentlicht, das musikalisch eine Brücke zu seinen Anfängen in den 1970ern schlägt. Die dazu gehörige Tour führt ihn am Samstag bei seinem einzigen Auftritt in NRW nach Krefeld.

Der 69-Jährige ist energiegeladen, läuft von einer Bühnenseite zur anderen und animiert die Fans zum Mitsingen. Alkohol, Drogen und der Rock ’n’ Roll-Lifestyle scheinen beim einstigen Elternschreck kaum Spuren hinterlassen zu haben. Alice Cooper ist stimmlich voll auf der Höhe und rockt mit seiner gut eingespielten Band durch einen Hit nach dem anderen.

Und es ist keine One-Man-Show: Gitarristin Nita Strauss zeigt nach rund einer Stunde bei einem fulminanten Solo ihr Können. Das Gitarrensolo ist auch ein Tribut an den am Samstag verstorbenen AC/DC Gitarristen Malcolm Young, was das Publikum mit lauten „Malcolm, Malcolm“-Rufen quittiert. Danach erreicht die Stimmung in der nahezu ausverkauften Halle einen ersten Höhepunkt, als mit „Poison“ der wohl bekannteste Song der Band ertönt.

Alice Cooper hat seine charakteristische Bühnenshow im Lauf der Jahrzehnte kaum verändert. Auch an diesem Abend führt er seine Fans durch eine makabre Welt des Horrors. Ein fast drei Meter großes, kostümiertes Monster läuft über die Bühne, der Sänger wird in eine Zwangsjacke gesteckt und Requisiten aus der Folterkammer kommen zum Einsatz.

Beim Song „Killer“ simuliert Vincent Damon Furnier, wie Alice Cooper mit bürgerlichem Namen heißt, seine eigene Hinrichtung. Dabei wird eine riesige Guillotine auf die Bühne gefahren, die den Schock-Rocker „enthauptet“. Dass der Sohn eines Pfarrers gläubiger Christ ist, steht für ihn nicht im Gegensatz zu seiner blutigen Bühnenshow.

Zur einzigen Zugabe „School’s Out“ erscheint Alice Cooper dann in weißer Weste. Der Schurke, den er während des Konzerts verkörpert hat, ist tot. Das Gute hat symbolisch über das Böse gesiegt. Der letzte Song des Abends bietet für die Zuschauer noch einmal einen besonderen Bonus. Es fliegen riesige Luftballons in die Menge und zu Pyrotechnik stürmt überraschend Doro Pesch auf die Bühne. Gemeinsam singen Alice Cooper und die Düsseldorfer Rock-Sängerin den Hit von 1972.

Nach 20 Liedern und fast zwei Stunden Spielzeit ist dann Schluss. „Ich kenne keine Band in dem Genre, die so vielseitig ist wie Alice Cooper. Von rammstein-mäßigen Riffs bis Hardrock, Hippie-Sounds und Metal ist alles dabei“, zeigt sich Daniel Brinkmann, seit 1994 Fan der Band und für das Konzert aus Neuss angereist, begeistert. „Alice Cooper hat es einfach drauf.“