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Eine musikalische Reise nach Ungarn

Eine musikalische Reise nach Ungarn

Beim Kammerkonzert der Niederrheinischen Sinfoniker liegt der Schwerpunkt auf dem Land im Südosten Europas.

Das vierte und letzte Kammerkonzert der Saison steht unter dem Motto „Ungarisches“. Bevor die musikalische Reise aus dem Glasfoyer des Theaters in den Südosten Europas geht, erläutert die Cellistin Silke Frantz von den Niederrheinischen Sinfonikern in ihrer Begrüßung das Programm. Sie erklärt, dass der erste Komponist der Matinee, Ernst von Dohnányi (1877-1960), durch seinen spätromantischen Stil auch als „ungarischer Brahms“ in die Musikgeschichte eingegangen sei. Da liegt es nahe, ein Werk des „richtigen“ Brahms mit ins Programm zu nehmen. Bestens passt da dessen Klavierquartett Nr. 1 g-Moll op. 25. Den gebürtigen Hamburger zog es in die „Hauptstadt der Musik“ nach Wien, wo er sich von den Czárdáskapellen im Prater gerne inspirieren ließ, wie es unter anderem in seinem ersten Klavierquartett zu hören ist.

Dohnányi lässt sein Streichtrio mit einer Marcia Allegro beginnen. Forsch starten die drei Solisten, Silke Frantz, Natascha Krumik (Viola) und der Geiger Emir Imerov, in die Serenade für Streichtrio C-Dur op. 10 aus dem Jahr 1902. Im zweiten Satz Romanza gibt die Bratschistin mit einer melancholischen Melodie den Ton an. Kontrastreich geht es im Scherzo Vivace weiter, bei dem die Virtuosität aller drei Solisten gefordert ist. Diese wird auch sehr homogen präsentiert. Unmissverständlich vom ersten Ton an setzen sie das abschließende Rondo Allegro vivace um, und die ungarischen Momente werden deutlich. Das Spiel bekommt die große Portion Temperament, wie man sie mit ungarischen Tänzen verbindet, und die Cellistin stampft davon mitgerissen auch gleich den Takt mit einem Fuß mit.

Für das Klavierquartett Nr. 1 g-Moll op. 25 von Johannes Brahms (1833-1897) übernimmt als Gast Indira Farabi den Part am Flügel. Die vier entwickeln schnell einen voluminösen Klang, der von einem Kammerorchester zu stammen scheint. Schön kommen dabei die tänzerischen Elemente heraus, die Assoziationen an ungarische Volksmusik wecken. Im Andante erinnert zunächst das gesangliche Thema an melancholische Weisen von dort. Dann hört man wieder Takte eines temperamentvollen Tanzes, bei dem die Cellistin im Eifer wieder das Stampfen der traditionellen ungarischen Stiefelabsätze übernimmt.

Noch mehr in Schwung kommt das Quartett beim letzten Satz, dem Rondo alla Zingarese. Unverkennbar startet der Satz und bleibt lange temperamentvoll, virtuos wie tänzerisch mitreißend. Dann darf es auch einmal kurz voller Schmelz und Leidenschaft sein, wie man gerade den Klang von Geigen in der ungarischen Musik kennt.

Doch schließlich lässt Brahms sein Werk temperamentvoll enden, und die vier Solisten nehmen die Vorgabe sichtlich mit großer Freude auf.

Da bleibt ein langer Applaus nicht aus, der wegen des nur halb gefüllten Glasfoyers nicht so kräftig ausfallen kann wie es die Musiker verdient hätten. Sie bedanken sich mit einer Wiederholung des tänzerisch fetzigen Schlusses des Brahms-Stücks.