Eine Koryphäe verabschiedet sich leise

Eine Koryphäe verabschiedet sich leise

Die Galeristin Marie-Luise Fellner gibt ihren Standort an der Tiergartenstraße auf.

Seit 20 Jahren zeigt Marie-Luise Fellner von Feldegg in ihrer Galerie an der Tiergartenstraße 81 zeitgenössische Kunst. Am Sonntag besteht letztmalig die Gelegenheit, in den Räumlichkeiten Kunst zu erleben. Die Galeristin gibt den Standort auf, um neue Wege zu beschreiten. Dass die Entscheidung nicht das Ende der Galerie bedeutet, betont sie ausdrücklich. Als Ansprechpartnerin für die Organisation von Ausstellungen oder die Bewertung von Kunstsammlungen bleibt sie aktiv. Zu ihrer jetzigen Entscheidung sagt sie: „Der Zeitpunkt ist richtig.“ Für sie standen nie der Kommerz, sondern andere Dinge im Vordergrund. „Mich hat immer interessiert, Neues und Spannendes zu sehen, mit Künstlern und dem Publikum zu kommunizieren. Das wünsche ich mir auch weiter.“

Die Aufgabe der Räumlichkeiten, in denen sie auch viele Jahre mit ihrem inzwischen verstorbenen Mann, dem Architekten Peter Fellner von Feldegg, gelebt hat, bedeutet auch die Befreiung von vielen Verpflichtungen, die sie so nicht mehr tragen möchte. Marie-Luise Fellner kann auf eine 30-jährige Ausstellungstätigkeit zurückblicken. Vor 40 Jahren kam sie nach Krefeld. Gemeinsam mit ihrem Mann gestaltete sie die alte Villa an der Tiergartenstraße um, die zum Arbeits- und Lebensmittelpunkt wurde. Peter Fellner von Feldegg richtete hier sein Architekturbüro ein, ab dem Jahr 2000 waren hier regelmäßig Ausstellungen zu sehen. Der Schwerpunkt lag auf zeitgenössischer Malerei und Skulptur, der Kreis der Künstler war sehr vielfältig.

Die Galeristin ist mit der Kunst groß geworden. In Potsdam als Tochter eines Architekten geboren, kam sie mit ihrer Familie nach dem Krieg ins Rheinland. Schon als 16-Jährige beschloss sie, Fotografin zu werden. Mindestens genauso viel Freude hat ihr die Tätigkeit als Galeristin gemacht. „Ich habe unglaublich viel gelernt und kann mich immer wieder für interessante Dinge begeistern.“ In der Kunst vermisst sie heute manchmal das Experimentelle. „Das ist, wenn überhaupt, nur in der Großstadt möglich.“ Auch wenn Krefeld viele Jahre ihr Lebensmittelpunkt war, ist die Kunstexpertin viel in der Welt unterwegs gewesen, hat in New York und in der Schweiz gelebt. Neugierig und kontaktfreudig wie sie ist, wird sie sicher nicht dauerhaft in Krefeld bleiben. „Ich habe mir ein Jahr gegeben, und dann sehe ich weiter.“

Zum Abschied am Sonntag, 14 bis 19 Uhr, hat sie noch einmal Werke von einigen ihrer Künstler mit viel Gespür zusammengestellt. Großformatige Bilder von Frank Jakob Esser und Horst Keining, die durch einen besonderen Umgang mit der Farbe beeindrucken, begegnen den reduzierten Rollbildern mit kalligraphischen Motiven von Issen Teramoto. Skulpturen von Lothar Krüll und Peter Kastner fügen sich ebenso ein. Ein besonderer Hingucker sind die neuen Arbeiten von Bernard Lokai. Der Gerhard-Richter-Schüler überrascht mit intensiv leuchtenden Farbkompositionen.

Zu ihrer jetzigen Situation hat ihr ein Freund Hermann Hesses Gedicht „Stufen“ geschickt, wo von Abschied und Neubeginn die Rede ist. Fellner formuliert es so: „Veränderung gehört zum Leben.“