Fabrik Heeder: Jugendprojekt „Mash Up Your Reality“: Ein tänzerisches Wagnis, das gut funktioniert

Fabrik Heeder: Jugendprojekt „Mash Up Your Reality“ : Ein tänzerisches Wagnis, das gut funktioniert

Das Jugendprojekt „Mash Up Your Reality“ zieht Besucher in Heeder auf Tanzfläche.

Krefeld. Als Projektleiter Andreas Simon am Freitagabend dem Publikum erklärt, dass es in der folgenden Darbietung völlig auf sich allein gestellt ist, schaut er in verdutzte Gesichter. Zögernd tragen die Menschen die großen Sitzkissen aus dem Foyer zur Bühne der Fabrik Heeder. Dort sind verschiedene Pavillons aufgebaut und das Publikum wird angewiesen, sich unter einem der Zelte zu knubbeln.

Ohne Vorwarnung geht es los: Die Tänzer wirbeln durch den Raum und drücken durch kräftige Bewegungen ihre Emotionen aus. Dann geht das Licht aus und das Publikum muss seinen Platz räumen. Plötzlich werden die Besucher zu Tanzenden.

Das Tanzprojekt „Mash Up Your Reality“ zeigt zeitgenössischen Tanz, der von 20 Jugendlichen aus Krefeld erarbeitet wurde. Geleitet wurde das Projekt von den Tänzern Patrick Decavele und Andreas Simon: „Mehr als ein halbes Jahr haben wir daran gearbeitet, denn wir wollten die Welt der Jugendlichen tänzerisch umsetzen“, erzählt Simon.

Das Ergebnis ist bunt gemischt und besteht aus Tanzdarbietungen und Aktionszeiten, denn „Mash Up Your Rality“ ist aufgebaut wie ein Jugendfestival, an dem das Publikum aktiv teilnehmen kann: „Los, tanzen sie mit“, ermutigen die Tänzer die Menschen in einem Bollywoodzelt. Das lassen sich die Besucher nicht zweimal sagen und bewegen sich zum Takt der indischen Musik.

In einem anderen Zelt können Selfies geschossen werden oder man kann sich mit philosophischen Fragen befassen. „Wir wollen mit dem Projekt ausdrücken, dass alles erlaubt ist und man frei entscheiden kann, was man tut“, sagt der 15-jährige Joshua Knops. Er tanzt seit neun Jahren und zeigt mit seinen Freunden den brasilianischen Kampftanz Capoeira.

Die Jugendlichen sind zwischen elf und 17 Jahren alt und sind Tänzer und Schüler der Gesamtschule am Kaiserplatz. Zusammen mit den Leitern haben sie eigenständig die Idee des Festivals entwickelt.

Neugierig geht auch Christiane Bruderek von Zelt zu Zelt und beobachtet das Geschehen: „Ich finde das echt super, es ist abwechslungsreich und die Tänze sind sehr ausdrucksstark“, sagt die Krefelderin. Durch die Spontaneität und Mitarbeit des Publikums entsteht ein Jugendtanzstück, das so nie wieder zu sehen sein wird. „Wir gingen das Risiko ein, dass dieses Experiment auch schiefgehen konnte, wenn das Publikum nicht mitmacht“, sagt Simon. Das Projekt ist eine Kooperation von Werkhaus Krefeld, Bildungszentrum Niederrhein und dem Kulturbüro.