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Kultur: Ein Stück voller Klischees

Kultur : Ein Stück voller Klischees

Sascha May präsentiert seine zweite Regiearbeit „Phantom (ein Spiel)“.

Krefeld. Ein Baby liegt in einem überfüllten Burger-Laden. Alleine und schutzlos. Doch wie ist es dahin gekommen? Genau dieser Frage geht Regisseur Sascha May in seinem neuen Stück „Phantom (ein Spiel)“ nach. Das feiert am heutigen Donnerstag in der Fabrik Heeder Premiere. Das Theaterstück von Lutz Hübner und Sarah Nemitz, deren Stück „Frau Müller muss weg“ bereits in der vergangenen Spielzeit aufgeführt wurde, spielt mit verschiedenen Klischees, die Menschen aller Nationalitäten voneinander haben. „Als das Baby in dem Burger-Laden gefunden wird, ist den anwesenden Personen im Lokal sofort klar, dass es von einer Osteuropäerin da liegengelassen wurde“, erklärt May. Ein Spiel der Zuweisungen und Anfeindungen beginnt.

Im Zentrum des Stückes steht die Osteuropäerin Blanca, die aus ihrer Heimat geflohen ist, um in Deutschland ein besseres Leben zu haben: „Blanca ist einer Männerdomäne ausgesetzt und es wird aufgezeigt, welchen Schwierigkeiten sie ausgesetzt ist, um Geld zu verdienen“, so May. Die Rolle der Blanka wird von Denise Matthey, Helen Wendt und Eva Spott gespielt. Drei Frauen, die alle ihre eigenen Erfahrungen und Gedanken in die Rolle der Osteuropäerin bringen, wie May erklärt: „Wir haben bestimmt zwei Wochen lang nur über den Inhalt des Stückes diskutiert und jeder hatte eine andere Herangehensweise an die Rolle.“ Schon in Mays erster größerer Regierarbeit „norway.today“ war es dem Regisseur wichtig, mit den Schauspielern zu arbeiten: „Ich wollte mir die Chance nicht nehmen lassen, auch die Schauspieler mit einzubeziehen“, so May, der seiner Art der Regieführung auch bei diesem Werk treu blieb.

Das Stück könne als ein Ausprobieren von Wirklichkeiten verstanden werden, erklärt Isabelle Küster, Dramaturgin: „Es heißt nicht umsonst im Untertitel: ein Spiel. Der Zuschauer wird im Laufe des Stückes mit den Klischees konfrontiert. Sobald er sich jedoch einmal auf eines eingelassen hat, geht es direkt mit dem Nächsten weiter.“ Unterstrichen wird dieses Tempo durch den Rollenwechsel der Schauspieler: „Alleine Christopher Wintgens spielt 17 verschiedene Rollen“, verrät Küster. Trotzdem sei die Rolle der Blanca jene, die am meisten der einer Identifikationsfigur ähnle: „Allein schon durch ihre Dreigliedrigkeit stellt sie eine Identifikationsfigur dar“, erklärt May, der damit darauf anspielt, dass die Rolle der Blanca nicht nur von drei verschiedenen Schauspielerinnen gespielt wird, sondern auch drei unterschiedliche Lebensabschnitte darstellt.