Ein Soundtrack für den eigenen Gefühls-Film

Ein Soundtrack für den eigenen Gefühls-Film

Die Kulturfabrik präsentiert lokale Musiker, die es schaffen, zu überraschen.

Musik ohne Gesang. Dazu die Beschreibung: „sphärische Klänge und schiebende Brachialriffs mit druckvollen Drums.“ Sich darunter etwas Konkretes vorzustellen, fällt schwer. Es ist Donnerstagabend. Vor der Kulturfabrik kommen einige Besucher am aufgeschütteten Strand zusammen, um sich bei einem Feierabendbier zwei unbekannte Bands aus der Umgebung anzuhören. Die Aktionsbühne ist zurück. Das Konzept ist nicht neu, früher hieß es Aktionskneipe. Musiker können sich bei der Kufa bewerben und werden ausgewählt, um dem Publikum ihre Musik zu präsentieren. Die Resonanz der Bands ist groß. Auf die bestehenden vier Termine werden wohl noch weitere folgen.

Live-Konzerte von unbekannten Bands sind in Krefeld in der Regel nicht gut besucht. Der Auftakt der Aktionsbühne zeigt, was Musik kann, wenn man sie lässt. Die Veranstaltung rückt in den Mittelpunkt, was die meisten Menschen im Alltag kaum noch bewusst wahrnehmen: Musik. Sie ist überall. Im Radio, im Fernsehen und doch besteht ihr Wert nicht darin, das Publikum oberflächlich zu unterhalten. Sie ist da, um zu fühlen.

Die Band Get Hired hat mit einer Mischung aus Rock und Punk einen guten Auftritt hingelegt und die Aktionsbühne eröffnet. Gerade war Pause. Langsam trottet das Publikum vom gemütlichen Strand in die kleine Halle der Kufa. Nun ist die Gruppe the journey of Eric Taylor dran.

Schwarz gekleidet stehen die Musiker in Rockermanier da. Sie haben keine Mikros. Sie werden nicht singen. Das brauchen sie auch nicht. Die Musik macht das, was sie soll. Sie bahnt sich ihren Weg ins Gehirn, wo sie anfängt, Emotionen auszulösen. Das schafft die Musik von the journey of Eric Taylor mit einer Leichtigkeit, dass es keinen Gesang und auch keine Pause zwischen den Liedern braucht. Es ist auch genau das, was die Musiker erreichen wollen. Sie liefern den Soundtrack zum individuellen Gefühls-Film. Die rockigen Sounds nehmen mit und berühren auf eine Art, die man den eher harten Beats kaum zutrauen würde, würde man es nicht selbst spüren. Das Publikum belohnt die Musiker mit viel Applaus. Eine Gage bekommen die Künstler nicht, die Zuschauer mussten auch keinen Eintritt zahlen. Es ist ein Experiment. Ob alle Bands schaffen, was the journey of Eric Taylor schafft, dafür gibt es keine Garantie. Aber an diesem Abend ist das Experiment für beide Seiten geglückt.

Mehr von Westdeutsche Zeitung