Fratres Trio: Ein Serenadenkonzert mit Saxophon

Fratres Trio: Ein Serenadenkonzert mit Saxophon

Als Zugabe gab es armenische Musik zum Gedenken an den Völkermord vor 100 Jahren.

Krefeld. Weite Welten öffneten sich für die Zuhörerschaft im Rittersaal der Burg Linn bei der neunten Serenade. Die Mitglieder des Ensembles Fratres Trio präsentierten Melodien von Komponisten aus den vergangenen 150 Jahren. Sie boten mit der seltenen Kombination ihrer Instrumente Klavier, Geige und Saxophon ein besonderes Arrangement. Dafür gab es zwar wenig originale Literatur, aber die drei haben sich andere kammermusikalische Bereiche, jazzige und volksmusikalische Kompositionen erschlossen.

Pianist Rudolf Fanks stammt aus Lettland, Geiger Fédor Rudin hat russische Wurzeln und wuchs in Frankreich auf und Hayrapet Arakelyan ist Armenier. Sie haben seit ihrer Gründung auf zahlreichen Festivals musiziert, gewannen einen zweiten Preis beim Internationalen Kammermusikfestival und erlangten ein Stipendium der „Werner Richard — Dr. Carl Dörken Stiftung“, die das Ensemble in ihre Reihe „Best of NRW“ aufgenommen hat.

Die Stiftung hat das Konzert in Linn ermöglicht und damit dem Publikum einen schwungvollen, heiteren und auch emotionalen Abend beschert. „Le voyageuer sans bagage“ (deutsch: Der Reisende ohne Gepäck) war der Titel des ersten Stücks von Darius Milhaud. Mal leichtfüßig, mal schwerblütig spielten die Stimmen der drei Instrumente miteinander. Die Rhythmen hatten etwas von Jazz und auch Filmmusik.

Von den Russen Rachmaninow und Tschaikowsky führten sie das „Elegische Trio“ und die „Nussknacker-Suite“ auf. Russell Petersons Trio von 2007 war das jüngste Stück und ließ die Stimmen zunächst nebeneinander spielen. Zitate aus dem spanischen „Concierto de Aranjuez“ wechselten mit Filmmusik der 20er-Jahre — quasi eine Verbindung der höfischen Welt mit der industriellen Kultur.

Mit ihrer zweiten Zugabe verbeugten sich die Musiker und insbesondere Saxophonist Hayrapet Arakelyan vor der Geschichte seines Volkes am Jahrestag des Genozids. Vor 100 Jahren wurden seine Landsleute aus der Türkei vertrieben.

Ihrem Gedächtnis widmete Hayrapet Arakelyan mit seinen Ensemble-Mitgliedern ein melancholisches und sehnsuchtsvolles Lied: Der „Marillenbaum“ stammt vom Begründer der klassischen Musik Armeniens, Komitas, und basiert auf Volksliedern. Ein eindringlicher kammermusikalischer Abend, dem man ein ausverkauftes Haus gewünscht hätte.

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