Ein Mathe-Professor erklärt die Musik

Ein Mathe-Professor erklärt die Musik

Karlheinz Schüffler zeigt, was Zahlen und Töne miteinander zu tun haben.

Krefeld. Musik und Mathematik haben mehr miteinander zu tun, als man gemeinhin annimmt. Wie genau es um das Verhältnis dieser beiden Systeme steht, erläutert Karlheinz Schüffler jetzt in einer Vorlesungsreihe an der Hochschule Niederrhein. "Die Idee dazu kam von meinen Studenten", sagt Schüffler. "Sie wünschten sich gescheite Erläuterungen zur reinen Schwingung." Genau hier hat Musik mit Zahlen zu tun.

Der Professor für Mathematik, geboren 1947, verbindet in der Vorlesungsreihe Beruf und Berufung. Denn er unterrichtet nicht nur Mathematik, sondern macht auch seit Kindestagen Musik. Mit zwölf Jahren saß Schüffler zum ersten Mal auf der Orgelbank der Kirche. Seit 45 Jahren ist er als Chorleiter tätig, Kirchgänger kennen ihn als Organisten. Der Mathe-Professor spielt aushilfsweise bei verschiedenen Gemeinden, kümmert sich engagiert um die Restaurierung der Walcker-Orgel in der Lutherkirche und ist Organist in der Alten Kirche. Schüfflers Liebe zur Musik geht weit über ein Hobby hinaus.

Auch in seinem Beruf als Mathematiker bespielt er mehrere Bereiche. Er ist Privatdozent im mathematischen Institut der Heine-Universität Düsseldorf, lehrt an der Hochschule Niederrhein. Seine Vorlesungsreihe in diesem Wintersemester stößt auf viel Zuspruch: Etwa 35 Zuhörer kommen regelmäßig alle 14 Tage in den Vorlesungsraum 103.

"Meine Veranstaltungen sind für jedermann zugänglich", erzählt Schüffler. Der Besuch der Vorlesung kostet nichts, die Vorträge verbinden auf doppelt kompetenter Grundlage zwei wissenschaftliche Bereiche, die noch bis zur Renaissance als gleichberechtigte Studienfächer galten.

Aus den geplanten fünf Abenden werden wohl sieben - eine Zahl mit symbolischem Charakter. Denn zu den sieben antiken Künsten gehörten neben Grammatik, Dialektik und Rhetorik die vier Wissenschaften Astronomie, Arithmetik, Geometrie und Musik. Wer diese Künste beherrschte, war Universalgelehrter der Wissenschaften und verstand es, das Zahlensystem auf die Klänge und Töne anzuwenden.

Zum Beispiel so: Eine Saite wird gespannt und in Schwingungen versetzt. Halbiert man die Saite, hat man eine Oktave: "Zwei Töne galten als Musik, wenn sie in einem Zahlenverhältnis zueinander standen", sagt Schüffler.

Die Naturwissenschaften des 18. Jahrhunderts haben das Töne-Verhältnis noch mal neu erläutert: als Zahlenverhältnis, gemessen in Hertz: 440 Hertz zu 660 Hertz etwa ist eine Quinte. "Aber ich gehe natürlich auch auf kompliziertere Zahlenverhältnisse ein", betont Schüffler.

Die Vorlesung und ihr Erfolg machen ihm so viel Freude, dass er nächstes Jahr weitermachen möchte. Einer seiner Studenten soll das Manuskript "schönschreiben" - und vielleicht entsteht sogar ein Büchlein daraus.

Vorlesung alle 14 Tage, die nächste am 2. Dezember, 17 bis 19 Uhr. Gebäude F, Raum 103 am Campus Süd der Hochschule Niederrhein, Reinarzstraße.

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