Ein herausragendes Requiem

Ein herausragendes Requiem

Bayer-Symphoniker, Audienda-Chor und der Kammerchor Oberpleis begeistern bei einem gemeinsamen Konzert.

Zwei große Werke hatten die Bayer-Symphoniker für ihr Herbstkonzert auf das Programm gesetzt: Schuberts „Unvollendete“ und Brahms’ „Ein deutsches Requiem“. Den Chorpart übernahmen der Audienda-Chor Krefeld und der Kammerchor Oberpleis, die beide von Pavel Brochin geleitet werden. Die besonders große Zahl der Laienmusiker aus den drei Ensembles auf der Bühne des Seidenweberhauses sorgte für ein nahezu ausverkauftes Konzert.

Leise getragen, aber auch mit kräftigen Akzenten beginnt das Orchester unter seinem Dirigenten Thomas Schlerka die Sinfonie Nr. 8 in h-Moll, die „Unvollendete“. Das Geheimnisvolle des ersten Satzes kommt gut heraus. Gefühlvoll arbeitet man sich durch den zweiten Satz. Ausdrucksstark wie anschaulich dirigiert Schlerka sein Orchester und führt es so durch eine nuancenreiche Interpretation. Sein Dirigat ist dabei eine schöne Übersetzung der Partitur in die Gebärdensprache eines Musikers.

Fast beiläufig lässt er den zweiten Satz ausklingen, und das Unvollendete dieser Sinfonie wird auch für jeden musikalischen Laien offensichtlich. Da gibt es schon einen begeisterten Applaus aus dem Saal und die Orchestermitglieder trampeln anerkennend für ihren Dirigenten.

Nach der Pause folgt ein langer Einmarsch der beiden Chöre im Gänsemarsch durch den Saal, der sich so lang hinzieht, dass das Publikum beim Begrüßungsapplaus nicht die nötige Ausdauer an den Tag legen kann. Passend für einen Totensonntag hatten die Musiker von Johannes Brahms „Ein deutsches Requiem“ op. 45 auf ihr Programm gesetzt. In diesem Werk geht es jedoch weniger um Leid und Trauer als mehr um das Trostspenden durch Bibelworte und entsprechende Musik.

Mit düsteren und traurigen Klängen beginnt das Orchester in den tiefen Lagen. Doch bald kann der große Chor etwas Licht mit seinem „Selig sind“ in die dunkle Atmosphäre bringen. Dann schimmert erstmals sogar etwas Freude durch bei seiner Umsetzung von „mit Freuden ernten“. Ein Wechsel von Dramatik bei „Denn alles Fleisch“ und freundlicher Aufforderung „so seid nun geduldig“ führt zu einem musikalischen Triumph bei „Aber des Herrn Wort bleibet in Ewigkeit“. Den dritten Satz beginnt der Solo-Bariton Rafael Bruck mit einer eindringlichen Bitte. Sein „Herr, lehre mich doch“ kommt stimmgewaltig und überzeugend daher.

Als einen feinen, etwas verhaltenen Jubelgesang interpretieren die beiden Chöre den Psalm des vierten Satzes „Wie lieblich sind“. Herausragende Leistungen bieten Chöre und das Orchester in der Umsetzung des Requiems. Es wird stets deutlich, welche Inhalte sie interpretieren und dies geschieht mit großem Engagement und viel Souveränität.

Eine besondere Anerkennung verdient der Dirigent Brochin, dem es gelungen ist, aus drei Laienensembles eine professionelle Interpretation eines anspruchsvollen Werkes herauszuholen. Das Publikum weiß dies auch mit einem sehr langen Applaus zu würdigen.

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