Deutsches Textilmuseum Krefeld Ein Hausrock aus indischer Baumwolle

Krefeld · In der Textilmuseums-Schau „Prestigesache – Bürgerlicher Kleiderluxus im 18. Jahrhundert“ ist ein neues Exponat zu sehen.

 Isa Fleischmann-Heck mit dem besonderen Exponat.

Isa Fleischmann-Heck mit dem besonderen Exponat.

Foto: Andreas Bischof

Derzeit wird im Deutschen Textilmuseum am Linner Andreasmarkt die große Ausstellung des Hauses anlässlich des Stadtjubiläums im letzten Jahr gezeigt. „Prestigesache – Bürgerlicher Kleiderluxus im 18. Jahrhundert“, erwachsen aus einem Forschungsprojekt, zeigt auf beeindruckende Weise, wie sich das aufstrebende Bürgertum seinerzeit mit prachtvollen Kleidungsstücken von der Masse abzuheben versuchte, beleuchtet auch Krefelder Textilgeschichte und widmet sich unterschiedlichen verwandten Themen. Ein Teil der Schau beleuchtet „Informelle Gelegenheiten und inszenierte Privatheit“. Dort war bis jetzt unter anderem ein Hausrock, ein für Herren gefertigtes, eher legeres, aber deshalb nicht zwingend schlichtes Gewand, als Leihgabe des Grafschafter Museums im Moerser Schloss zu sehen. Da dieses Exponat zurückgegeben werden musste, kommt es zu einem Wechsel in der Ausstellung und die Schau zeigt stattdessen ein besonderes Exemplar aus der hauseigenen Sammlung des Textilmuseums.

Kuratorin Isa Fleischmann-Heck hat hierfür einen indischen Chintz ausgewählt, der aus Baumwollgewebe gefertigt ist und ebenfalls aus dem 18. Jahrhundert stammt. Jene aus Baumwolle gemachten Kleidungsstücke, die mit aufwendigen Mustern bedruckt sind, waren lange Zeit ein indisches „Geheimrezept“ – denn das Färben der Baumwolle und vor allem die richtige Aufbringung der jeweiligen Farbschichten war ein lange gehütetes Verfahrensgeheimnis, erklärt die Kuratorin.

Der Hausrock zeigt
mehrere Besonderheiten

Es gibt aber mehrere Auffälligkeiten und Besonderheiten bei dem Exponat zu beobachten. Einerseits die wirklich expressive Farbigkeit, mit starkem Rotton und weiteren Mustern etwa in Blau. Bei dem Muster orientierten sich die indischen Produzenten – das Denken wirkt enorm modern – an dem Markt, der sowohl von ostasiatischen Kunden, wie Japan und europäischen Kunden sowohl in Europa selbst, als auch in Kolonien dominiert war. Daher wirken die Muster auf dem Hausrock einerseits erstaunlich „europäisierend“, andererseits werden Motive eher japanischer Herkunft verwendet. Vergleichsbeispiele aus der Zeit legten nahe, dass es sich um einen Pflaumenbaum sowie Pinien handle, erklärt die stellvertretende Museumsleiterin. Die Motive haben übrigens – dies ist nur für Insider bekannt gewesen – gewisse symbolische Bedeutung, etwa Treue.

Das Gewand selbst ist auch nach asiatischem Vorbild geschnitten, erinnert sehr an ein Kimono. Solche Hausröcke wurden aber schnell auch in Europa Mode, waren sehr begehrte und wertvolle Statussymbole; zunächst nur für den Adel, später hielten sie auch Einzug in die Bekleidung des Bürgertums. Exklusiv blieben sie indes sehr lange und wurde nicht nur im eigentlich privatem, sondern auch in halbprivatem Rahmen getragen. Gerne wurden vertraute Gäste in solchen Gewändern empfangen. Auch für Porträts kleideten sich die Herren gerne in solche Gewänder. Einerseits wurden sie, stets zusammen getragen mit einer passenden Mütze, zum Zeichen für die Aufklärung aufgeschlossener Gelehrter, andererseits verliehen sie dem Träger eine gewisse zeitlose Note. Denn die formelle Mode wechselte sehr schnell; die Muster und Formen der Hausröcke blieben aber länger. Und sie verwandelten sich später in den mehr profaneren Bademantel.

Dieses spezielle Exponat kam übrigens in den 90ern über eine Sammlung an das Haus. Erworben wurde es in Indonesien und dürfte damals – zur Entstehungszeit im 18. Jahrhundert – für dortige europäische Kundschaft gefertigt worden sein. Das Museum verfügt über einige dieser Hausröcke, aus denen dieses zur Präsentation ausgewählt wurde.

Die Ausstellung im Textilmuseum ist noch bis zum 16. Juni zu sehen.

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