Textilmuseum: Ein großer Auftritt für die Seide

Textilmuseum: Ein großer Auftritt für die Seide

Im Moment bereiten sieben Restauratoren Ausstellungsstücke im Textilmuseum vor.

Krefeld. In der Restaurierungswerkstatt des Textilmuseums wird die neue Ausstellung vorbereitet: Auf zwei Tischen liegen die beiden gestreiften Teile eines Kleides aus dem vorvorigen Jahrhundert, eine Figurine trägt ein schwarzes Hochzeitskleid aus dem Jahre 1908. Derzeit arbeiten sieben Restauratorinnen an den Schmuckstücken aus der Sammlung, damit am 6. März die Ausstellung steht. In „Seide - textile Pracht aus 2000 Jahren“ ist auch ein weißes Hochzeitskleid zu sehen - das kostbare Stück wurde nur einmal zu dieser besonderen Gelegenheit getragen.

Verena Thiemann, Restauratorin, hat das schwarze Hochzeitskleid hergerichtet

Zwei Kostüme - also zweiteilige Kleider - wurden dem Museum geschenkt. Sie stammen aus Krefelder Familienbesitz. Das schwarze Kleid wurde 1908 zur Hochzeit getragen und dann später mehrfach umgearbeitet. Das Zweiteilige datiert aus dem Jahr 1896. Restauratorin Katja Wagner macht das Kleid figurinenfein. Geduld, Sorgfalt und ein gutes Auge braucht sie dazu. Mit feinster Haspelseide, die sie aus einem geflochtenen Strang zieht, werden schadhafte Stellen mit Spannstichen auf einem Unterlegstoff befestigt.

Die zweite wichtige Aufgabe ist das Glätten der Kleidungsstücke. Und das geht nicht etwa mit einem Dampfbügeleisen. Partie für Partie wird auf eine dünne Folie gelegt, die Wasserdampf durchlässt, aber kein Wasser. Dann wird die Seide gespannt und erhält so ihre ursprüngliche Glätte zurück.

Mit viel Geduld hat Wagner schon die Plisseefalten am Übergewand geglättet. Sie arbeitet mal an einem, mal am anderen Teil, denn die einzelnen Arbeitsschritte brauchen ihre Zeit. Sie schätzt an ihrem Beruf die Mischung aus Handwerk und Innovation: „Manchmal müssen wir uns was einfallen lassen, um die Textilien präsentabel zu machen.“

Die Frauen in der Werkstatt arbeiten mit Stoff und Garnen, mit Papier und Folien und mit allerfeinsten Nadeln. Viel davon stammt aus dem medizinischen Bereich: Die Nadeln sind so dünn, dass sie das Gewebe nicht beschädigen und gebogen, damit die Restauratorinnen nähen können, ohne den Stoff zu viel zu berühren.

Das schwarze Hochzeitskleid aus Seidendamast ist schon wieder hergestellt. Dieses Stück hat Verena Thiemann für die Ausstellung vorbereitet. „Ich habe wohl 100 Stunden dafür gebraucht“, sagt sie. In der neuen Ausstellung werden die Krefelder Kleider mit weiteren etwa 200 Exponaten zu bestaunen sein. Das einstige Hochzeitskleid wurde aus Künstlerseide geschneidert. Da fließen Krefelder Entwürfe und Muster des französischen Jugendstils zusammen. „Künstlerseiden wurden in Krefeld zum Beispiel von Henri van de Velde und Otto Eckmann entworfen“ sagt Isa Fleischmann-Heck vom Museum.

Das gute Stück wurde mehrfach verändert. „Wer sich zu Hochzeit ein schwarzes Kleid nähen ließ, kann nicht übermäßig reich gewesen sein oder besonders sparsam - das Kleid konnte nach Umarbeitung noch mehrfach getragen werden“, sagen die Fachfrauen im Museum.

Finanziert wurde die Restauration mit 16 000 Euro von der Kulturstiftung der Sparkasse. Damit wurden auch mehrere Vitrinen angeschafft. „Das ist eine nachhaltige Förderung“, ergänzt Museumsleiterin Annette Schieck, denn „nach der Ausstellung können wir die Vitrinen weiterverwenden, und die Kleider können wir fachgerecht aufbewahren.“

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