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12. Bandoneon-Festival: Ein gelungener Abend voller Emotion

12. Bandoneon-Festival : Ein gelungener Abend voller Emotion

Das zwölfte Bandoneon-Festival ist eröffnet. Den Auftakt machte das Ensemble Fracanapa — ein New Tango Quintet.

Krefeld. Im Mittelpunkt des zwölften Bandoneon-Festivals steht ein Instrument, das in Krefeld erfunden wurde. Dass im 19. Jahrhundert von Heinrich Band konstruierte Bandoneon lockt alle zwei Jahre ein großes Publikum an. Seit 1996 veranstaltet das Krefelder Kulturbüro die Konzertreihe, die jetzt in der Fabrik Heeder einen wunderbaren Auftakt erlebt hat.

12. Bandoneon-Festival: Ein gelungener Abend voller Emotion

Im ausverkauften Saal der Studiobühne 1 begrüßte zunächst Bürgermeisterin Gisela Klaer das Publikum und dankte für das große Interesse. Sie skizzierte kurz die Erfolgsgeschichte des Instrumentes, das von Krefeld über Südamerika den Weg wieder zurück nach Europa gefunden hat. Das Hauptinstrument des Tangos in Südamerika erfreut sich bis heute vor allem Dank der genialen Kompositionen von Astor Piazzolla (1921-1992) einer großen Popularität.

Piazolla stand auch im Mittelpunkt des Konzertes, mit dem das Ensemble Fracanapa das Publikum vom ersten Stück an begeisterte. Als New Tango Quintet bezeichnen sich die fünf Musiker, die wie ein perfekt aufeinander eingespieltes Kammermusik-Ensemble in Aktion traten. Um Bandoneon-Spieler Matías Gonzáles gruppierten sich Susanne Hofmann (Violine), Pablo Woizinski (Klavier), Federico Diaz (Gitarre) und Winfried Holzenkamp (Kontrabass).

Gleich das erste Stück „Verano porteno“, eine Hommage an den Sommer in Buenos Aires, zeigte eindrucksvoll die Qualität der Musiker. Während Violine und Bandoneon in einen melodiösen Dialog traten, boten die anderen drei den rhythmischen Sound dazu.

Wenige Blickkontakte genügten, um ein fein ausbalanciertes Spiel zu garantieren. Obwohl Gonzáles als kongenialer Bandoneon-Spieler immer wieder Dreh-und Angelpunkt des Ganzen war, konnte jeder der übrigen Musiker sein Können glänzend unter Beweis stellen.

So bot „Adios Nonino“ dem Pianisten die Gelegenheit, fast jazzig-melancholisch zu beginnen, bevor die anderen einsetzten. Das Stück, das Piazolla seinem verstorbenen Vater gewidmet hat, steigert sich in seinem Verlauf zu immer größerer Emotion. Die Geige hat hier einen wunderbaren Part. Gegen Ende steigert sich das Tempo noch einmal bevor das Stück ganz ruhig ausklingt.

Kurz vor der Pause interpretierten Federico Diaz und Pablo Woizinski ein Stück von Horacio Salgan. Der Komponist starb erst vor wenigen Wochen im erstaunlichen Alter von hundert Jahren, er musizierte selbst über fünfzig Jahre. Diaz entlockte seiner elektronisch verstärkten Gitarre dabei facettenreiche Klänge.

Der zweite Teil gehörte noch einmal Piazolla, wobei auch hier Tradition und Moderne eindrucksvolle Verbindungen eingingen. Zu einem weiteren Höhepunkt wurde die „Romance del Diablo“, die allen fünf Musikern noch einmal Gelegenheit bot, ihr fantastisches Können zu zeigen. Das Publikum hatten sie zu dem Zeitpunkt längst erobert. Trotz des wirklich anspruchsvollen Programms hatte das Ensemble noch die Energie, sich für den begeisterten Beifall mit zwei Zugaben zu bedanken.

Der nächste Termin ist am Mittwoch, 21. September, um 20 Uhr im Rittersaal der Burg Linn mit dem Duo Fabian Carbone & Julia Jech.