Kultur: Ein Gastspiel in der Lutherkirche

Kultur: Ein Gastspiel in der Lutherkirche

Barbara und Heinz-Peter Kortmann haben bei ihrem Auftritt eine Leinwand aufgestellt und Finger- und Fußarbeit übertragen.

Krefeld. Es war eine schwere Frage für den Veranstalter: Leinwandübertragung oder nicht? Doch nachdem Karlheinz Schüffler bei einer Orgelführung die Frage hörte: „Mit den Tasten da unten, machen Sie da Luft in die Pfeifen?“, war es für ihn und die Gemeinde der Lutherkirche klar, beim nächsten Konzert eine Kamera und Leinwand aufzustellen. So hatte das Publikum am Sonntag die seltene Gelegenheit, einem Meister seines Faches auf die Finger und Füße zu schauen. Heinz-Peter Kortmann und seine Ehefrau Barbara gaben ein Gastspiel „Per Flauto e Organo“.

Mit der Partita über „Kol Dodi“ Fünf Variationen zu „Kommt herbei, singt dem Herrn“ von Franz Surges (1958 - 2015) bekommt das Publikum schon die Chance, die Vielseitigkeit eines Organisten beim Spielen zu beobachten. Vor jeder Variation wechselt er die Register, unterschiedliche Klänge und Klangfarben folgen. Die Möglichkeiten der romantischen Walcker-Orgel werden deutlich.

Bei Max Regers (1873 - 1916) Introduktion und Passacaglia in d-Moll kann Heinz-Peter Kortmann in seinem Solo gleich ein monumentales Klangvolumen zaubern. Dieses Werk zeigt die Hochleistung eines Organisten: Auf zwei Manualen spielt er, muss während des Vortrags blitzschnell zahlreiche Registerwechsel vollziehen und gleichzeitig oft noch mit den Füßen auf den Pedalen eine weitere Stimme spielen. Doch für manchen Registerwechsel mitten im Spiel braucht es dann doch noch die helfende Hand des Registranten — auch für das Umblättern der Noten, wenn der Organist alle Hände voll zu tun hat.

Sehr zurückhaltend hat Heinz-Peter Kortmann die Stücke registriert, wenn er seine Frau auf der Querflöte begleitet. Als vorbereitende Arbeit für dieses Konzert und andere Aufführungen hat er manche Kompositionen erst noch für die Besetzung Orgel und Flöte arrangieren müssen.

Bei der Chaconne en trio von Jacques Morel (1700 - ca. 1740), dem Intermezzo aus Joseph Rheinbergers (1839 - 1901) Sonate Nr. 4 in a-Moll und dem Morceau de concours (Wettbewerbstück) von Gabriel Fauré (1845 - 1924) lässt er musikalisch der Flötenstimme den uneingeschränkten Vorrang.

Auch wenn sich die beiden Solisten bei ihrem gemeinsamen Spiel nicht sehen können, da Barbara Kortmann ihre Notenständer an drei verschiedenen Stellen des Kirchenraumes platziert hat, so ist unüberhörbar, dass sie ein perfekt eingespieltes Duo sind. Eine zusätzliche Bereicherung des Hörerlebnisses ergibt sich aus den verschiedenen Positionen der Notenständer und dadurch, dass die Flötistin auch musizierend durch den Raum schreitet.

Da ist man hin und her gerissen, dem Organisten bei seinem Tun zuzuschauen oder die Augen zu schließen und sich ganz der Raumwirkung der Musik hinzugeben. Ein schönes Konzert der feinen Nuancen, das durchaus mehr Publikum vertragen hätte.