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Ein Garten als Herausforderung

Ein Garten als Herausforderung

Die Krefelderin Brigitte Anna Franck hat für die offene Gartenpforte Einblicke in ihren Ruheort gewährt.

Krefeld. Gärtnerisch ist dieser Innenhof an der Weberstraße 58 schon eine Herausforderung. Dort verstellt das Hinterhaus den Sonnenschein aus Süden, auf der Westseite sind es hohe Bäume und eine Mauer, ebenso eine Mauer auf der Nordseite, und das Haupthaus hält die Morgensonne fern. Für Brigitte Franck ist diese Situation aber gar kein Problem. „Durch meinen Beruf als Innenarchitektin habe ich einfach eine Liebe zu Räumen“, sagt sie mit sichtlicher Freude darüber, wie es ihr gelungen ist, diesen ziemlich schattigen „Schlauch“ zu gestalten. Und gleich relativiert sie ihre gärtnerische Leistung: „Jeder kann sich in diesem überschaubaren Raum ein grünes Zimmer zaubern.“

Bei solch einem schlauchartigen Garten gilt es, mit Pflanzen die lange schmale Fläche optisch zu gliedern. Die Natur kam Franck von sich aus zu Hilfe. „Aus einem Unkräutchen von vor sechs Jahren ist inzwischen ein fünf Meter hohes Bäumchen geworden, das jetzt die Länge des Hinterhauses im Garten teilt.“ Wichtig ist der Hobbygärtnerin auch die richtige Mischung aus dauergrünen und saisonal grünen Pflanzen. „Dadurch hat der Garten immer eine grüne Anmutung, eine Naturanmutung.“ Die geeigneten Pflanzen wähle sie eher intuitiv aus, gesteht sie. Da scheint sie ein „gutes Händchen“ zu haben.

Zu Begonienarten greift sie im Gartenzentrum genau so gerne wie zu Hortensien. In der langen Topfreihe vor dem Hinterhaus sind die großen weißen Blütenkugeln der Hortensien ein besonderer Blickfang. Der Weg, auf dem die Töpfe mit ihrer aktuellen Blütenpracht in vorwiegend weiß und violett-blau stehen, verrät durch das Moos in den Plattenfugen, dass dieser Standort wahrlich nicht für jede Pflanze geeignet ist.

Ein schütterer Lavendel auf der anderen Wegseite macht deutlich, dass der sich in diesem Mikroklima nicht wohl fühlt. Aber damit steht er in dem ihn umgebenden Kiesfeld buchstäblich alleine da. Üppiger prangt die Vegetation vor der gelb gestrichenen Wand, die den Garten nach Norden begrenzt. Hier verdeckt eine hoch gewachsene Tellerhortensie die Altersspuren des Gemäuers, die Risse im Putz.

Etwas weiter in den Hof hinein bildet ein Bambus als Gegenpart zum „anonymen“ Bäumchen auf der gegenüber liegenden Seite des Hofs den zweiten Teil der wesentlichen optischen Gliederung, der grünen Wand. Diesen Blick in den Garten mag Franck besonders. Jeden Morgen stellt sie sich an das Fenster, das diese Sicht erlaubt. „Das Emotionale ist mir auch wichtig. So ins Grün zu blicken, das ist gut für die Seele.“ Und das steigern dann noch die Vogelkonzerte aus den hohen Bäumen vom angrenzenden Schulhof. Für die Ausstattung des „Gartenzimmers“ hat die Innenarchitektin ganz gewöhnliches, zeitloses Mobiliar ausgewählt — auch wenn sie sich durchaus mit Designermöbeln anfreunden könnte. Aber in den Garten „mit sprödem Charme“ eines Hauses aus den 1950er Jahren passen die eben nicht, da ist der aktuelle Vintage-Look entschieden besser. Die Mitbewohner des Hauses scheinen diese Atmosphäre auch zu schätzen, denn gerne trifft man sich im begrünten Hof, sogar auch, um gemeinsam dort zu musizieren und es sich gut gehen zu lassen.