Dvorák macht die Welt „melancholerig“

Dvorák macht die Welt „melancholerig“

Kobold Kiko hatte beim Kinderkonzert einen liebenswürdigen Komponisten zu Gast, der außer Musik auch Eisenbahnen mag.

An Karneval ist vieles möglich. So gibt es auf der Bühne des Stadttheaters einen „Hauptbahnhof Krefeld-Rheydt“, an dem am Sonntagmorgen ein besonderer Gast ankommt. Im Rahmen des Kinderkonzertes besucht Komponist Antonin Dvorák die Niederrheinischen Sinfoniker und Konzertkobold Kiko (Paula Emmrich). Schauspieler Philipp Sommer verkörpert den dunkel gekleideten, sehr ernst wirkenden Komponisten, der sich dann als liebenswürdiger Gesprächspartner erweist. „Du wirst schon sehnsüchtig erwartet, darf ich Dich Antonin nennen?“ fragt Kiko, der sich zum Empfang als Stationsvorsteher verkleidet hat.

Tatsächlich hat der Komponist neben seiner Leidenschaft für Musik auch eine besondere Vorliebe für Eisenbahnen. Als Gastgeschenk hat er das Modell einer Lokomotive mitgebracht. Noch mehr freuen sich Kapellmeister Andreas Fellner und die Musiker aber über die Musik. „Sie sind einer der größten romantischen Komponisten und haben die Landschaft Ihrer Heimat wunderbar in Musik umgesetzt“, schwärmt der Dirigent. „Ich kann meine Gefühle am besten in Musik ausdrücken“, bestätigt Dvorák. „Dann lass uns Dein Land durch Deine Musik kennenlernen“, ruft Kiko begeistert.

Ein Ausschnitt aus dem „Scherzo capriccioso“ begeistert den Kobold sofort. Während Dvorák von seinem Leben in einem zu einem Landhaus umgebauten Schafstall in der Nähe von Prag erzählt, arrangiert er schnell ein Stück um. Aus der ursprünglich für Klavier gedachten „Humoreske“ wird jetzt ein Stück für Solovioline und Orchester. „Ohne Deine Musik wäre die Welt nicht so „melancholerig schön“, schwärmt Kiko.

Trotz seiner Liebe zu seiner Heimat war Dvorák viel unterwegs. Gemeinsam mit Kiko geht es nach England. Ein lebhafter „Furiant“ aus der „Tschechischen Suite“ begleitet diese Reise. Wieder zurück, möchte auch der Kobold komponieren lernen.

Dass das nicht so einfach ist, wie auf einem Kamm zu blasen, merkt er schnell. Seine schnell dahin gekritzelte Melodie, die Konzertmeister Fabian Kircher da spielen muss, klingt wirklich „grauselig“. „Ich bin halt ein überaus begabter Zuhörer“, erklärt Kiko entschuldigend. Eine wunderbare Gelegenheit dazu bietet ein Ausschnitt aus dem Streichquartett Es-Dur.

Eines der berühmtesten Werke Dvoráks ist seine 9. Sinfonie mit dem Beinamen „Aus der Neuen Welt“. Neben den vielen Eindrücken seiner Amerikareise verarbeitet der Komponist darin auch wieder Melodien seiner slawischen Heimat.

An einem Beispiel im zweiten Satz kann das Publikum hautnah erleben, wie Dvorák an einer Stelle feilt. „Das ist noch nicht der richtige Klang“, ruft er. Anstelle der Oboe möchte er eine Trompete hören und ist erst zufrieden, als das Englischhorn diesen Part übernimmt.

Kiko hat es sich inzwischen mit einem Kaltgetränk und Popcorn gemütlich gemacht, da muss der besondere Gast leider wieder abreisen. „Meine Musik lasse ich euch hier“, sagt Dvorak zu den Musikern und so klingt mit einem weiteren Ausschnitt aus der berühmten Sinfonie das Konzert feierlich aus.

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