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Schauspiel: Drei neue Gesichter am Theater

Schauspiel : Drei neue Gesichter am Theater

An ihrer neuen Arbeitsstelle beeindruckt sie vor allem die Offenheit der Menschen in Krefeld.

Krefeld. Schon als Kind hat Anna Pircher mit ihrem Bruder ausgemacht, dass die beiden einmal Schauspieler werden. Während es bei ihm letztendlich ein anderer Beruf wurde, hat sie die Absprache eingehalten. Seit dieser Spielzeit ist sie mit Denise Matthey und Philipp Sommer neu im Ensemble des Stadttheaters.

Für Anna Pircher war der Weg nach Krefeld besonders weit. Die 23-Jährige kommt eigentlich aus Meran in Südtirol. Schon mit 17 Jahren begann sie ihr Schauspielstudium an der Universität der Künste in Berlin. Später war sie unter anderem im Wintergarten Varieté in Berlin in „Der Zauberer von Oz“ als Dorothy und als Julia in „Romeo und Julia“ im Schloss Nymphenburg in München zu sehen. Die Stelle in Krefeld ist die erste Festanstellung für sie.

Auch wenn sie jetzt weit von zu Hause entfernt lebt, habe sie sich in Krefeld sofort wohl gefühlt. „Ich war sehr überrascht, wie offen die Menschen hier sind“, sagt sie. Man gehe hier viel mehr aufeinander zu — das sei ein großer Unterschied zu Berlin, wo sie vorher gelebt hat. Auch im neuen Ensemble fühle sie sich sehr wohl. „Ich freue mich jeden Tag, dass ich nach Krefeld gegangen bin“, sagt Pircher. Bisher ist sie in Krefeld nur in „Schuld und Sühne“ als Sonja zu sehen — im Dezember und im neuen Jahr kommen weitere Stücke hinzu.

Für ihre neue Kollegin Denise Matthey, die auch zur neuen Spielzeit nach Krefeld gekommen ist, war es eher eine Art Zurückkommen: Die 32-Jährige ist gebürtige Wuppertalerin. Nach dem Studium der Medien- und Kulturwissenschaft in Düsseldorf studierte sie an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main Schauspiel. Danach war sie vier Jahre lang in Ingolstadt beschäftigt. „Ich habe großes Heimweh gehabt“, sagt sie, „ich bin Wuppertalerin mit Leib und Seele.“ Krefeld sei da immerhin nahe dran. Während sie momentan zum Teil in Krefeld und zum Teil in Wuppertal wohnt, überlegt sie, ganz in die Seidenstadt zu ziehen.

Die erste Produktion, in der sie in Krefeld zu sehen ist, ist „Eine Schiffsladung voll Nelken“. Die Proben dafür seien eine ganz neue Herausforderung gewesen: Das Stück wurde in Zusammenarbeit mit der armenischen Regisseurin Zara Antonyan auf die Bühne gebracht. „Mit ihr haben wir ganz anders gearbeitet, als ich das bisher kannte — sehr körperbetont“, sagt Denise Matthey. Es sei toll, mit so einer Arbeit hier neu einzusteigen. Neben diesem Stück ist die Wuppertalerin auch in „Zeit der Kannibalen“ zu sehen.

Dritter im Bunde der neuen Gesichter im Ensemble ist Philipp Sommer. Er habe nicht lange gezögert, als die Zusage aus Krefeld kam. „Ich habe schon beim Vorsprechen gemerkt, dass die Art, wie hier gearbeitet wird, mir gut gefällt“, sagt der 29-Jährige aus Lohr am Main, dem „Rüssel von Bayern“, wie er seine Heimatstadt beschreibt. Auch er war gleich beeindruckt von der Mentalität der Rheinländer. „Die Leute sind hier viel offener und direkter als in Bayern“, sagt der Schauspieler. Das sei für ihn erst einmal gewöhnungsbedürftig gewesen, er möge diese Art aber sehr.

Er hat in seinem Berufsleben schon verschiedene Richtungen eingeschlagen. Nach einer Ausbildung zum Drucker lernte er an der Fachoberschule für Kunstgestaltung in Würzburg und Nürnberg, bis er schließlich das Schauspielstudium an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart anging. Auch Clownworkshops und Rollen in Kurzspielfilmen gehörten bei ihm dazu.

Seine Rolle als Raskolnikow in „Schuld und Sühne“ war für ihn eine Herausforderung. Denn es war die erste große Rolle: „Der hat einen sehr düsteren Charakter. Man wird nicht richtig schlau aus ihm“, sagt Philipp Sommer. Gerade deshalb mache es viel Spaß, sich „in die Arbeit reinzuwerfen“. Weitere Rollen kommen auch bei ihm mit „Rio Reiser - König von Deutschland“ im Dezember und „Die Wiedervereinigung der beiden Koreas“ im neuen Jahr hinzu.