Drama zwischen Aktenbergen

Drama zwischen Aktenbergen

Premiere: Manchmal geht es im Jugendamt um Leben und Tod. Das zeigt „Kaspar Häuser Meer“.

Krefeld. Fälle von Kindesmisshandlung sorgen immer wieder für Schlagzeilen. Das Schicksal des 2006 getöteten kleinen Kevin aus Bremen ist nur ein Beispiel, bei dem auch die örtlichen Jugendämter stark in die Kritik gerieten.

Die Autorin Felicia Zeller bekam seinerzeit vom Theater Freiburg den Auftrag, ein Stück darüber zu schreiben. Sie hat den Fokus auf die Jugendämter gerichtet und intensiv recherchiert. Entstanden ist das Stück "Kaspar Häuser Meer", das vor zwei Jahren mit großem Erfolg uraufgeführt wurde. Die Inszenierung des Theaters Krefeld-Mönchengladbach hat am 15. April in der Fabrik Heeder Premiere.

Im Fokus stehen drei Mitarbeiterinnen eines Jugendamtes. Barbara (Ines Krug), die Älteste, ist seit 25 Jahren dort tätig. Silvia (Esther Keil) ist um die 40 und ebenfalls länger dabei. Anika (Anja Barth), eine alleinerziehende Mutter, ist neu im Team. Alle drei sind strapaziert vom Arbeitspensum und der großen Verantwortung, die dahinter steckt.

Ursachen und Mechanismen der Überforderung werden in dem Stück beleuchtet, Strukturen der Arbeitswelt sichtbar, die auch in anderen Bereichen gelten. Dass es bei Entscheidungen der Jugendämter im Extremfall um Leben und Tod von Kindern geht, macht das Ganze so brisant. " Wir wollen kein Urteil fällen, aber bestimmte Zustände zeigen", sagt die junge Regisseurin Anne Spaeter. "Die Figuren sind mit großer Menschlichkeit gezeigt, es sind keine Abziehbilder", erklärt Dramaturgin Ulrike Brambeer.

So kniet Silvia sich extrem in ihre Fälle hinein und kompensiert das mit Alkohol. Barbara will sich in Routine flüchten und stellt fest, dass dies kaum möglich ist. Anika gerät selbst in Verdacht, ihre Tochter zu misshandeln.

Trotz des ernsten Themas hat das Stück Humor. Vor allem die eigenwillige Sprache mit abgebrochenen Sätzen und Zitaten trägt dazu bei. " Die Figuren reden immer wieder aneinander vorbei, daraus ergeben sich witzige Situationen", sagt Spaeter. " Es ist eine komische Tragödie."

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