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Die Rückkehr der Pappköpp

Aufführung : Die Rückkehr der Pappköpp

Das Mundart-Marionettentheater spielte am Wochenende nach 15 Monaten Pause endlich wieder – diesmal aber unter freiem Himmel

Natürlich hat Jörg Oltmanns nicht die Gelegenheit ausgelassen, sein geliebtes Marionettentheater zu besuchen. Er, der auch gerne mal am Abend vor einer Vorführung den Grill am Eingang anfeuert, um der Erste zu sein, war selbstredend auch am Samstag frühzeitig erschienen, um die Rückkehr der Krieewelsche Pappköpp hautnah zu erleben, wenn auch diesmal unter freiem Himmel. „Ich finde es einfach lustig. Es macht mir jedes Jahr wieder Spaß“, sagt Oltmanns, der jede Veranstaltung mitnimmt, seit März 2020 aber nun schon über 15 Monate wegen der Pandemie auf die Mundart-Kleinkunst warten musste.

Programmtitel lautet:
„Van bönne nooe buute“

Eine lange Zeit für die Künstler und das in großem Maße Stammpublikum, das sich sonst immer wieder gerne im Pappköpp-Theater an der Peter-Lauten-Straße versammelt. „Ich habe am Enthusiasmus der Gruppe nicht gezweifelt“, sagt Jörg Oltmanns über die Motivation der Theatergruppe, die Unterhaltung mit vier Aufführungen am Samstag und Sonntag zurück auf die Bühne zu bringen. Am Sonntagnachmittag zogen jedoch Gewitter über die Stadt.

Nach bald 20 Jahren schwatzten die Marionetten also mal wieder Krefelder Plattdeutsch unter freiem Himmel, wie früher schon einmal auf dem Linner Flachsmarkt oder bei Marcelli. „Van bönne nooe buute“, hieß das Programm, das am Wochenende zur Schau kam: Von innen nach außen. „Pappköpp spieele an de fresche Loff“ lautete der passende Untertitel. Die Botschaft, sich mal wieder zu präsentieren nach der bleiernen Corona-Zeit für Kunstschaffende und den Verboten, ist deutlich: „Wir sind noch da“, sagt Udo Heikaus, Ensemble-Mitglied. Die Freunde der Pappköpp ließen sich nicht zweimal bitten. Binnen zwei Tagen seien alle 108 Karten für die vier am Wochenende angesetzten Vorführungen ausverkauft gewesen. Um lange Warteschlangen zu umgehen, geschah der Verkauf über das Internetportal Eventim.

Viele Leute hätten die Theatermacher um die Vorsitzenden Volker Matter und Christa Bürgers sowie den Spielleiter Peter Wimmers in den vergangenen Monaten angesprochen. Immer mit der Wunschfrage: Wann geht es endlich wieder weiter? Vor allem Wimmers, so war zu hören, trieb das Ensemble immer wieder an. Die Pause dürfe nicht zu lang werden. Man ersann, das letzte Wochenende vor den Sommerferien für den Wiederbeginn zu nutzen, um wieder auf die Bühne zu gehen und zu zeigen: Die Pappköpp sind noch da.

Sechs Wochen Vorbereitungszeit auf die ersten Vorführungen seit März 2020 sollten reichen. Am Samstag dann sprach die Marionette „Opa“ in ihrem Prolog zum Auftakt um 15 Uhr, eine Maske in seiner Hand haltend: „Gott sei Dank hat uns das olle Corona nichts angetan. Ich bin froh, dass es endlich wieder losgeht.“ Er hätte eine lange Zeit überbrücken müssen: „Quarantäne in Uerdingen!“, rief er den Zuschauern entgegen. Ein paar lockere Anekdötchen, die ersten Lacher im Publikum, schon war der Zug wieder aufs Gleis gesetzt.

„Es wäre schade, wenn man
so etwas verliert“

„Wir hatten den großen Glauben, dass wir weitermachen können“, sagt Peter Krupp, eines von 15 Ensemble-Mitgliedern. 20 Stücke habe man vorbereitet, viele Texte geschrieben, die Pause gut genutzt, viel aber eben auch über Videokonferenzen regeln müssen. Spielleiter Peter Wimmers schreibt in seinem Vorwort zum Programm von persönlichen Entbehrungen, die die Frauen und Männer im Ensemble in den 15 Monaten aushalten mussten. Man habe fast den Mut verloren. Konzepte wurden aufgelegt, immer wieder aber veränderte sich auch die Corona-Schutzverordnung und mit ihr die Anforderungen an eine Vorführung. Das Ergebnis sah man am Wochenende: Eine Bühne auf einer Ladefläche eines Lastwagens, viel Abstand zwischen den einzelnen Sitzplätzen. Einlasskontrollen, nur Stücke mit maximal drei Personen, keine Bewirtung.

Dennoch bekam das Publikum seine geliebten Marionetten in zehn Stücken wieder zu sehen und die humorigen Geschichten rund um aktuelle Themen aus ihrer Stadt in Krieewelsch Platt erzählt. Ob Cilly und Wilma im Friseursalon, der Opa bei dem Versuch, telefonisch einen Impftermin zu erhalten, oder der Nösemes mit Klatschgeschichten aus der Seidenstadt. Sogar das Beethoven-Jubiläum zum 250. Geburtstag im Vorjahr kam noch zur Sprache vom Professor, Matthes und Schäng, wie auch lustige Wohnzimmer-Streitgespräche mit Wilma und Heini.

„Das ist Mundart. Das hört man ja sonst nicht mehr. Es ist ein Brauchtum. Es wäre schade, wenn man so etwas verliert“, fasste Zuschauerin Marezi Berg die Bedeutung der Rückkehr der Pappköpp zusammen. Eine schöne Ablenkung vom Alltag, auch das war zu hören aus dem Publikum. Bis zum Herbst wird es erst einmal die letzte Vorführung gewesen sein. Dann, so die Hoffnung der Veranstalter, werden die Marionetten wieder in ihrem eigenen Theater zu sehen sein.