Die Niederrheinischen Sinfoniker im Seidenweberhaus

Die Niederrheinischen Sinfoniker im Seidenweberhaus

Der 1. Kapellmeister Alexander Steinitz dirigiert das Konzert am Dienstag.

Krefeld. Ein klassisches Programm im weitesten Sinne spielen die Niederrheinischen Sinfoniker unter der Leitung von Alexander Steinitz zur Adventszeit. Der neue 1. Kapellmeister gibt seinen sinfonischen Einstand mit dem Werk, mit dem der junge Sergej Prokofjew die Aufmerksamkeit der Musikwelt auf sich zog: der „Symphonie classique“.

Transparent und filigran sind die einzelnen Sätze, die sich ganz bewusst an die großen Vorbilder, an die „Klassiker“ im buchstäblichen Sinne, Haydn und Mozart anlehnen. Deren Partituren lernte Prokofjew während des Studiums kennen und schätzen.

Ein von traditionellen Mustern völlig abweichendes Konzept hatte Robert Schumann im Sinn. Was Schumann zeitlebens an den Sinfonien seiner Kollegen gestört hatte, war, dass sie entweder nur „Spiegelbilder Beethovenscher Weisen“ fabrizierten oder „Puder und Perücke von Haydn und Mozart passabel nachzuschatten die Kraft hatten, aber ohne die dazu gehörigen Köpfe“. Diesen Gefahren wollte er in seinen eigenen Werken nicht erliegen.

Seine mit jugendlichem Elan geschriebene vierte Sinfonie ist eigentlich, was das Entstehungsdatum angeht, seine zweite. Er schrieb sie 1841, gleich im Anschluss an seine erste, die den Beinamen „Frühlings-Sinfonie“ erhielt. Das war zu einer Zeit, als er einen der wichtigsten Kämpfe seines Lebens gewonnen hatte: den Kampf um seine Braut Clara, die Tochter seines alten Klavierlehrers Friedrich Wieck.

Da sprudelte die Musik aus seiner Feder so, dass alle vier Sätze pausenlos ineinander übergehen. Dabei kommt es weniger auf thematische Kontraste und in Beethovenscher Weise ausgetragene Konflikte an, sondern auf eine lyrische Reihung und ständige Verwandlung einzelner Stimmungen und Gedanken, die sich dann durch alle Sätze ziehen.

Ein weiterer Höhepunkt verspricht der junge französische Harfenvirtuose Emmanuel Ceysson zu werden. Der 28-jährige preisgekrönte Soloharfenist der Pariser Oper interpretiert Reinhold Glières romantisches Harfenkonzert. Sein poetischer, aber trotzdem kraftvoller Zugang fasziniert Publikum und Musiker gleichermaßen. So hoffe ich, dass diese musikalische Begegnung vielen Zuhörern die Adventszeit verschönert.

3. Sinfoniekonzert: am Dienstag und am Freitag, 20 Uhr, im Seidenweberhaus. Konzerteinführung: nur Donnerstag, 19.15 Uhr. Debüt-Konzert: nur Dienstag, 19 Uhr.

Generalmusikdirektor Mihkel Kütson schreibt exklusiv seine Konzertvorschauen für die WZ.

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