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Die Nicht-Kunstpförtnerin

Ausstellung : Die Nicht-Kunstpförtnerin

In der Reihe Pförtnerloge in der Fabrik Heeder stellt Anna von Borstel aus. Die Pläne waren andere – Corona kam dazwischen.

Die kommende Ausstellung der Reihe Pförtnerloge war eigentlich anders gedacht. Derartige und ähnliche Erklärungen ließen sich derzeit leider vor allzu viele künstlerische Projekte stellen, denn Corona hat so vieles, was mal so oder so gedacht war, nun doch anders werden lassen. Abstandsregeln und weitere Einschränkungen machen manche Vorstellungen, manche Ideen unmöglich.

Auch die Krefelderin Anna von Borstel, geboren 1964 in Willich, Mitglied der Gemeinschaft Krefelder Künstler, hatte sich für ihre Ausstellung in der Pförtnerloge – jenem besonderen Atelier in der Fabrik Heeder – etwas Besonderes, raumbezogenes vorgestellt. Dazu muss man zunächst kurz das Konzept dieser Reihe eruieren.

Es handelt sich um eine Reihe des Bundesverbands Bildender Künstler Niederrhein, unterstützt vom Kulturbüro der Stadt, gesponsert von der Kulturstiftung der Sparkasse. Die Idee ist, in der ehemaligen – durchaus auch als Raum ästhetischen indes kleinen – Pförtnerloge der Fabrik Heeder raumbezogene Kunst, also Kunst, die sich emphatisch mit dem Ausstellungsraum auseinandersetzt, zu zeigen. Kuratiert von Brigitta Heidtmann und Claudia Reich werden dreimal jährlich Künstlerinnen und Künstler eingeladen, die jeweils ihr ganz eigenes Konzept verwirklichen.

Bilder hängen in den Fenstern
der Pförtnerloge

Das mit der raumbezogenen Kunst allerdings stand auch schon jüngst, und steht auch bei der aktuellen Ausstellung eher unter einem weniger harmonierenden Vorzeichen. Wieso? Dazu muss erklärt werden, was von Borstel, die übrigens figurativ arbeitet und an der privaten Kunstschule „Freie Akademie Rhein/Ruhr in Krefeld“ gelernt hat, nun denn geplant hatte. Und folglich kennt man die Prozesse im Hintergrund dieser Reihe, für welche Idee sie auch eingeladen worden war.

Anna von Borstel wollte sich in den kleinen Raum abseits des Eingangs der Fabrik Heeder – jener Loge, die just für solche Ideen perfekt zu sein scheint, eben nur nicht zu Corona-Zeiten – mit Menschen treffen, die sie dort porträtiert hätte. Analog zu einer Pförtnerin, die den ein und ausgehenden Menschen täglich begegnet, hätte sie Begegnungen, die dort stattgefunden hätten, bildhaft gesammelt. Eine Ausstellung die somit teils Aktion, teils eine zeitlich definierte Draufsicht auf den Schaffensprozess der Künstlerin gewesen wäre. Ihre Zeichnungen, die ohnehin sehr an Straßenporträts, in Schnelle am Seineufer von Paris angefertigt, erinnern, hätten sich gemehrt, den Raum vielleicht sogar erobert.

Aber wenn man zu viel „hätte“ schreiben muss, sollte man das was ist nicht aus den Augen verlieren. Und das, was nun aus der Ausstellung in der Pförtnerloge, die aktuell zu sehen ist, geworden ist, ist ganz anders. „Pförtnerloge im Homeoffice“ heißt sie. Die Begegnungen konnten aufgrund von Corona nicht real stattfinden; es wurden Begegnungen durch den Filter des Digitalen: Video-Chats, bei denen die Künstlerin sowohl ihren Gesprächspartner durch die Linse einer Laptop-Kamera als auch sich selbst in klein sah und für ihre Kunst verwendete. Die Porträts – jeweils paarweise – zeigen sie und auch ihre Gesprächspartner. Nebeneinandergestellt, aus der für den Kamerawinkel typischen Perspektive – also leicht von unten. In verschiedenen Techniken, die die Künstlerin gerne nutzt, hat sie diese Arbeiten angefertigt.

So etwa Holzschnitte, die sie aber nicht – wie eigentlich üblich – zum Druck verwendet, sondern lediglich das „Original“ etwas schwarz koloriert und in einer erdigen Brutalität präsentiert. Diese zerfurchten Holzplatten gehören zu den ästhetisch herausfordernderen Arbeiten von Borstel, haben in ihrer eigenwilligen Anmutung eine Handschrift, die sich ein wenig von den Porträtzeichnungen abhebt. Genauso wie mit zwei Ölbildnissen, hat die Künstlerin die Fenster der Loge mit ihren Arbeiten von innen zugestellt. Kein Blick hinein; hinter den Fenstern lediglich die Fläche der Arbeiten. Aus einer Öffnung des Raumes für künstlerische Begegnungen wurde somit eine konsequente Schließung.

Dahinein könnte man gewiss versuchen, hochgestochene Diskurse um die durch Corona „Verschlossenheit“ des Raumes hineininterpretieren. Die Deutung schwächelt aber, vor allem daran, dass die eigentlichen gezeigten Werke selbst nur wenig zu einer solchen raumbezogenen Interpretation beitragen. Sie scheinen lediglich in die Fenster gestellt, wie eine Galerie im Fenster. Charme hat dies noch am ehesten in der Vorderseite der Fabrik Heeder, wo die Köpfe zwischen den Sprossen der Fenster hervorlugen.

Eines fällt jedoch auf: Die Personen wirken auf den Porträts sonderbar abwesend, mal konzentriert, mal etwas flüchtig im Fokus – so wie es aussieht, wenn man Menschen auf einer Laptop-Kamera sieht. Das hat gewissen Reiz. Dennoch negiert diese Schau mehr den Raum, als dass sie mit ihm in Dialog tritt.

Die Ausstellung wird offiziell am Samstag, 19. September, eröffnet, ist jedoch schon jetzt jederzeit einsehbar.