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Die neue Spielzeit am Kresch-Theater

Bühne : Kresch: Sieben Premieren – neue Impulse

Die neue Leiterin des Theaters, Isolde Wabra, wird selbst inszenieren. Sie setzt auf mehr Kontakt zu Schulen, aber auch auf eine bewusstere Öffnung für Familien durch das Format „14 + Family“. Wir stellen die Premieren der Spielzeit 2019/20 vor.

Die kommende Spielzeit des Kresch-Theaters – unter dem Motto „Mut zum Leben!“ – hat sieben neue Produktionen im Gepäck. Unter der neuen Leitung von Isolde Wabra, die selbst inszeniert und bei gleich drei Premieren Regie führen wird, setzt man einerseits auf Kontinuität, andererseits auf bewusst neue Impulse.

Neu ist, dass die Theaterleiterin selbst Akzente durch eigene Produktionen setzt; neu ist auch, dass man noch zielgerichteter in die Schulen gehen möchte, um den Dialog mit Schülern und Lehrern zu fördern und auf die Projekte am Kresch aufmerksam zu machen. „Unser Anliegen ist es Themen aufzuspüren, die junge Menschen bewegen und ihnen Mut zu machen“, heißt es im neuen Konzept des Theaters. Andererseits betont man zudem aber auch, dass das Kinder- und Jugendtheaterzentrum ein Theater für alle – also nicht nur Schulklassen oder Ähnliches –, sondern auch für Familien, alt und jung also, ist.

Lebensmittelpunkt ganz
nach Krefeld verlagern

Mit dem neuen Format 14 + Family möchte das Kresch seine Türen ganz emphatisch auch für die ganze Familie öffnen, wobei man den Begriff Familie hier explizit sehr offen fassen möchte.

Apropos Familie – die neue Leiterin selbst betonte, dass sie viel Wert darauf legt, ihren Lebensmittelpunkt ganz nach Krefeld zu verlagern. Wabra – gebürtige Österreicherin, war zuletzt seit 2008 erste Spielleiterin Schauspiel am Theater Neubrandenburg/Neustrelitz – zieht samt Familie in die Stadt. Sie möchte in Krefeld wirken, aus dem Leben in der Stadt heraus und nicht von außen in die Stadt hinein. Was selbstverständlich klingt, ist indes ein sehr erfreuliches Sichbekennen zu Krefeld und dem Kresch als wichtiger kultureller Angelpunkt.

Werfen wir nun einen
Blick auf die Premieren:

Den Auftakt der Saison 2019/20 macht am 13. September das Stück „Superhero“ (ab 14 Jahre) nach dem Roman von Anthony Mc Carten. In der Regie von René Linke zeichnet das Stück eine einerseits ganz gewöhnliche, andererseits außergewöhnliche Geschichte um das Erwachsenwerden. Im Fokus steht ein 14-jähriger, begnadeter Comiczeichner, der an Leukämie erkrankt ist. Er möchte nichts verpassen, muss schneller erwachsen werden als Gleichaltrige. Eine Geschichte um Krankheit, Tod, Liebe, Sex, aber auch Comics und was sie uns über das wahre Leben erzählen könnten.

Das mobile Klassenzimmerstück „Out – Gefangen im Netz“ (ab 10 Jahre), feiert am 27. September Premiere und behandelt die Chancen und Gefahren der Cyberwelt. Das Projekt von Knut Winkmann unter der Regie von Isolde Wabra thematisiert Cybermobbing und bringt szenischen Diskurs niederschwellig in die Schulklassen. Mehr sei indes hier noch nicht verraten, um eventuelle Überraschungseffekte nicht vorwegzunehmen.

„Kannst du pfeifen, Johanna“ (ab 6 Jahre) nach einem Kinderbuch von Ulf Stark, unter der Regie von Helmut Wenderoth, ist ab dem 6. Oktober am Kresch-Theater zu sehen. Das Stück handelt in einer anrührenden Weise von dem so wertvollen Zauber, der in der Begegnung von Alt und Jung liegt. Zwei Freunde, einer hat einen Großvater, der andere hat keinen Opa, entschließen sich, für den ohne Opa einen Großvater zu suchen. Fündig werden sie in einem Altenheim. Das Stück wird mobil in Kindertagesstätten, Schulen und Seniorenheimen gezeigt.

Das diesjährige Weihnachtsstück – Premiere am 1. Dezember – unter der Regie der Theaterleiterin Wabra holt den wohl nostalgischsten Märchenfilm auf die Bühne. „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ von Uli Jäckle lässt den deutsch-tschechischen Kultfilm in ein Theaterstück verwandeln. Nach langer Zeit wieder ein Märchen-Klassiker auf der Bühne des Kresch, heißt es im Programm. Und in der Tat seien Märchen ein idealer Einstieg auch in die Welt der großen klassischen Dramen, erklärte Wabra.

In „Jubiläum“ (ab 16) von George Tabori geht es um die Aufarbeitung der NS-Zeit, ist bewusst ein Theaterstück gegen das Vergessen und möchte in dieser Inszenierung, so Wabra, die auch hier selbst Regie führt, „ein großes Signal setzen“. In einer surrealen Groteske lässt Tabori die Toten über das Trümmerfeld der Geschichte und Gegenwart stolpern, heißt es im Programm des Kresch-Theaters. Das Stück hat am 24. Januar Premiere und wird zudem speziell am Holocaust-Gedenktag am 27. Januar um 19 Uhr gezeigt.

„Konstantin im Wörterwald“ (ab zehn Jahre) nach dem Kinderbuch von Martin Heckmanns hat, unter der Regie von Franz Mestre, am 28. Februar Premiere. Die szenische Umsetzung dieses „Kinder-Mutmach-Buches“ um den stotternden Konstantin wird übrigens eine Uraufführung sein.

Bei „Ellington“ – Assoziationen zu dem berühmten Jazzmusiker Duke sind durchaus gewollt – geht es um eine ganz sonderbare Beziehung. Nach dem Bilderbuch von Marlies Bardeli und Ingrid Godon, in der Regie von Helmut Wenderoth, dreht sich alles um eine Dame, sie ist Klavierlehrerin und eine Ente. Das Einefraustück thematisiert „federleicht“ Freundschaft, Liebe, aber auch Festhalten und Loslassen. Premiere ist am 25. April.

Weiterhin im Spielplan sind „Zoo oder so ist das Leben“, „Auch Schafe müssen schlafen“, „Die Reise einer Wolke oder Wolken“, „Fast Faust“ und „Nathans Kinder“.

Natürlich liegt neben den Aufführungen auch ein großer Schwerpunkt der Arbeit auf den für das Kresch essentiellen und etablierten partizipativen Projekten ab acht Jahren, bei denen sich Kinder und Jugendliche in verschiedenen Formaten ausprobieren können. Hierzu zählen der Stadtkindertanz (ab acht Jahre), das Stadtjugendtheater I (12 bis 16 Jahre) und II (ab 16 Jahre) oder auch das Kreativ-Labor, in dessen Rahmen junge Menschen selbst inszenieren können und das dieses Jahr 15-jähriges Bestehen feiert.