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Die letzten Tage des Mies-Modells

Die letzten Tage des Mies-Modells

Ein Kreis engagierter Krefelder wollte das Projekt um ein Jahr verlängern. Doch die Initiatoren winken ab.

Krefeld. Am Ende stiefeln sie dann doch noch zu Hunderten den Egelsberg hinauf. Sie wollen mit eigenen Augen sehen, worüber alle Welt redet: ein Modell aus Holz und Stahl, begehbar und betastbar, ein 80 mal 80 Meter großes Was-wäre-wenn mitten in der Traarer Herbstidylle.

Die letzten Tage des Golfclubhauses von Ludwig Mies van der Rohe sind angebrochen. Kurz vor Schluss ist, zumindest an den Wochenenden, ein Besucheransturm zu beobachten. Die Broschüren, die jeder am Eingang bekommt, werden knapp.

Es bleiben noch zehn Tage. Am 27. Oktober ist Ende, dann beginnt der Rückbau. „Nach etwa drei Wochen wird nichts mehr zu sehen sein“, hofft Initiatorin Christiane Lange.

Wenn das Gebäude und seine Fundamente verschwunden sind, wird der Acker rekultiviert — spätestens am 31. Dezember muss alles so aussehen, als wäre nichts gewesen. „So sind die Auflagen, die wir bekommen haben“, sagt Lange.

Vor einigen Tagen wurde ein interessantes Angebot an die Vorsitzende von Projekt Mik herangetragen. Ein Kreis engagierter Krefelder ist so begeistert von dem Modell, dass sie anregen, es ein Jahr länger stehen zu lassen. „Es wurde auch finanzielle Unterstützung angeboten“, bestätigt Lange. Doch nach Gesprächen mit ihren Mitstreitern und mit Architekt Paul Robbrecht lehnte sie ab: „Wir empfinden das als großes Kompliment. Aber wir haben uns dagegen entschieden.“

Dafür gibt es praktische Gründe: die erforderliche Genehmigung im Landschaftsschutzgebiet, die letztendliche Finanzierung, die Tatsache, dass das Modell nicht winterfest ist. Doch den Ausschlag gaben die Inhalte. „Das Wegnehmen des Modells ist genauso wichtig wie das Aufbauen“, erklärt Lange. „Wir wollen nicht bei Mies hängen bleiben, sondern Luft schaffen für die Impulse, die das Gebäude gibt.“

Genau das hatte Lange immer betont: Ihr geht es nicht um Heldenverehrung, schon gar nicht um Mies-Marketing. Sie will Diskussionen anstoßen über Baukultur in Krefeld. Ort dieser Debatten könnte ein Pavillon auf den Wällen werden — errichtet aus dem Material, das am Egelsberg abgebaut wird.