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Kultur: Die Krefelder Kunst 2017

Kultur : Die Krefelder Kunst 2017

Das zeigen die Museen — den gesamten Nachlass des Krefelder Malers Adolf Höninghaus und wie in Haus Lange fiktiv eine Familie einzieht.

Krefeld. Die Idee eines Museums, das sich auf seine Wurzeln besinnt und die aktuelle Kunst im Blick hat — zwischen diesen Polen positioniert die neue Direktorin Katja Baudin die Krefelder Kunstmuseen. Im Thorn-Prikker-Saal des Kaiser-Wilhelm-Museums (KWM) stellte sie gemeinsam mit ihrem Team das Programm für das kommende Jahr vor. „Die Wahl des Raumes ist kein Zufall“, sagt Baudin. Der Ursprungsgedanke des hiesigen Museums mit einem Dialog zwischen bildender und angewandter Kunst werde gerade in diesem Saal deutlich, meint die Direktorin, die bereits auf drei „sehr intensive“ Monate in Krefeld zurückblicken kann.

Auseinandersetzung und Austausch sind zwei wichtige Stichworte für Baudin. Die Auseinandersetzung soll mit der eigenen Sammlung aber auch mit der zeitgenössischen Kunst im regionalen Umfeld stattfinden. Darüber hinaus sollen Austausch und Dialog dazu beitragen, den Kunstmuseen im Rheinland ein einzigartiges Profil zu verleihen. Baudins Ziel ist auch ein offenes Museum für alle Krefelder zu schaffen. „Es muss nicht jedem alles gefallen, aber es ist für jeden Futter dabei“ sagt sie.

Derzeit ist im KWM noch die Eröffnungsschau „Das Abenteuer unserer Sammlung I“ zu sehen. Ab 30. März gibt es den zweiten Teil, den die stellvertretende Museumsdirektorin Sylvia Martin kuratieren wird. Sie möchte nicht nur eine Mischung aus alten und neueren Werken der Sammlung zeigen, sondern bestimmte Aspekte betonen. Dazu gehören Schenkungen, die das Museum im Lauf seiner Geschichte bekommen hat. Ein besonders ausgefallenes ist das aus 80 Figuren bestehende Waynag Puppentheater, das als Geschenk eines indonesischen Prinzen 1906 nach Krefeld kam. Auch Werke aus Nachlässen, die Einblicke in die private Form des Sammelns geben, werden ebenso eine Rolle spielen, wie das Museum als Motor für Künstler und ihre Projekte.

Unter dem Titel „Der unersättliche Blick“ gibt es ab 19. Oktober erstmals eine umfangreiche Ausstellung über den Krefelder Landschaftsmaler Adolf Höninghaus (1810—1882). Der gesamte Nachlass, darunter 1800 Zeichnungen, befindet sich im Besitz des KWM. „Dieser Schatz wird jetzt erstmals gehoben“, sagt Sylvia Martin, die in Zusammenarbeit mit der Universität Kassel auch diese Schau kuratiert.

Im Kontext der Ausstellung soll eine Videoarbeit eines zeitgenössischen Künstlers den Blickwinkel erweitern. Ein neues Format ist die Präsentation eines „Zwischenspiels“, das den Übergang zwischen zwei Ausstellungen überbrücken soll. Start ist im März, wo in einem Raum hochkarätige Filme und Videos aus der Sammlung gezeigt werden.

In den Häusern Lange und Esters starten die neuen Ausstellungen am 19. Februar (bis 27. August). In Haus Lange wird das international berühmte Künstlerduo Elmgreen & Dragset eine Schau unter dem Titel „Die Zugezogenen“ einrichten. „Wir sind sehr stolz, dass wir diese Künstler gewinnen konnten“, sagt Kuratorin Magdalena Holzey. Für das in Berlin lebende Duo wird es die erste Ausstellung im Rheinland sein. Sie knüpfen an die Funktion der Villa als ehemaliges Wohnhaus an und wollen dafür fiktiv eine Familie wieder einziehen lassen.

Magdalena Holzhey, Kuratorin

Die Ausstellung wird sich auch auf sonst nicht gezeigte Nutzräume wie Badezimmer, Garage und Dunkelkammer erstrecken und knüpft an die teilweise spektakulären ortspezifischen Auseinandersetzungen vieler Künstler an.

Parallel gibt es im Haus Esters eine Einzelpräsentation des 16. Mies-van-der-Rohe-Stipendiaten Naufus Ramirez-Figueroa. Der aus Guatemala stammende Künstler, der im kommenden Jahr auch auf der Biennale in Venedig ausstellen wird, setzt sich in seinen Installationen mit der lateinamerikanischen Kultur seiner Heimat und den Auswirkungen globaler Einflüsse auseinander.

Ab 1. Oktober (bis 14. Januar 2018) gibt die Chefin selbst ihren Einstand als Kuratorin. Unter dem Titel „Ideologie, Abstraktion und Architektur“ zeigt Baudin beide Häuser im Dialog, der eine historische und eine zeitgenössische Position beinhaltet. Die eine Schau widmet sich erstmals der Vereinigung Experimental Atelier auch Exat 51 genannt, die sich 1951 im ehemaligen Jugoslawien gründete. Die Mitglieder waren Künstler und Architekten, die sich im sozialistischen Umfeld provokant für eine gegenstandslose Kunst engagierten. Dabei knüpften sie an künstlerische Vorstellungen der Vorkriegsmoderne, wie dem Bauhaus an.

Aus dem ehemaligen Jugoslawien stammt auch die junge slowenische Künstlerin Jasmina Cibic, die in ihren Arbeiten verschiedene Disziplinen und Methoden vereint. Sie hat sich mit der Gruppe Exat 51 auseinandergesetzt, aber auch mit Mies van der Rohes deutschen Pavillon in Barcelona beschäftigt. Ein fester Bestandteil im Programm sind die Krefelder Architekturtage, die im Januar und im September stattfinden. Thema sind hier „Mies und der Fabrikbau“ so wie „Mies und De Stijl“ Die Künstlergruppe „De Stijl“, der auch Piet Mondrian angehörte, feiert 2017 ihr 100-jähriges Bestehen.