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Die Idee zum Ballett "Beethoven!"

Uraufführung : Wie Beethoven und Ballett zusammenpassen

In seiner Choreografie setzt sich Robert North mit einer komplexen Künstlerpersönlichkeit auseinander. Premiere ist am Samstag, 25. Januar, im Stadttheater.

Am Samstag, 25. Januar, feiert das Ballett „Beethoven!“ von Robert North im Theater Krefeld, Theaterplatz 3, seine Uraufführung. Hier gibt es einige Hintergründe und Fakten dazu.

Der Anlass für die Choreografie Beethoven und Ballett – wie passt das zusammen? Der äußere Anlass für die Choreografie ist das Beethoven-Jubiläumsjahr. Darüber hinaus reizte North die Auseinandersetzung mit einer komplexen Künstlerpersönlichkeit. In der Vergangenheit hat er sich schon mehrfach mit berühmten Komponisten auseinandergesetzt. Die Ballettabende „Bach“ und „Tschaikowskys Träume“ waren vor einigen Jahren hier zu erleben. Beim Thema Beethoven tat sich der Choreograf anfangs etwas schwer, bis ihm eine zündende Idee kam. Die Figur Beethovens wird von drei ganz unterschiedlichen Personen dargestellt: Tänzer Alessandro Borghesani verkörpert vor allem die emotionale Seite des Komponisten, Pianist André Parfenov spielt live seine Musik, und Schauspieler Michael Grosse rezitiert Texte Beethovens. Besonders im Fokus steht dabei das berühmte „Heiligenstädter Testament“, in dem der Komponist seine Taubheit thematisiert.

Trotz dieser Aufspaltung in drei Personen soll es innerhalb der Szenen enge Verbindungen geben. Die Texte stehen nicht für sich, sondern werden in die Tanzszenen integriert.

Welche Aspekte interessieren North besonders an Beethovens Leben? Für North ist Beethoven vor allem als Künstler interessant, und im besonderen Fokus steht seine Musik. Seine Lebensgeschichte bietet nur den Anlass für den Tanz. Persönliche Beziehungen, wie zu der geheimnisvollen Dame, die als „unsterbliche Geliebte“ in die Musikgeschichte eingegangen ist, werden ebenso thematisiert wie auch der historische Kontext. Die Auswirkungen der Französischen Revolution, die Herrschaft Napoleons und die Unterdrückung und Bespitzelung der Bürger nach dem Wiener Kongress prägten auch die Lebensumstände des Komponisten. Neben diesen ernsten Themen soll aber auch der Humor nicht zu kurz kommen. North geht es darum, die Facetten eines Lebens und seinen persönlichen Blick auf Beethoven zu zeigen. Besonders interessieren ihn auch die musikalischen Einflüsse, die auf den Komponisten einwirkten.

Welche Musik wird zu hören sein? Natürlich wird an dem Abend viel Beethoven zu hören sein, neben Ausschnitten aus sinfonischen Stücken auch viel Klaviermusik. Dazu gehört auch die letzte Klaviersonate Nr. 111, die mit ihren an Jazzrhythmen erinnernden Passagen erstaunlich modern erscheint. Um diesen Aspekt zu betonen, lässt Parfenov das Stück in eine Eigenkomposition hinübergleiten, die auch von den Tänzern entsprechend modern interpretiert wird. Als große Vorbilder werden auch Bach und Mozart erklingen. Für die Szene, in der Beethovens zunehmende Taubheit Thema ist, hat der Choreograf ein Stück von John Cage ausgewählt. Beethovens Musik ist laut North eher schwierig in Tanz umzusetzen. Er beschreibt sie als gleichermaßen intellektuell und emotional, aber weniger melodiös als die Kompositionen von Beethovens Zeitgenossen Franz Schubert.

Wie ist die optische Gestaltung des Abends? Bühnenbild und Kostüme hat die international renommierte Ausstatterin Luisa Spinatelli geschaffen. Sie hat bereits weltweit für große Opern und Ballette die Ausstattung entworfen. Auch in Krefeld war ihre Arbeit bereits in einigen Ballettabenden wie „Bach“, „Fado/Bolero“ oder „Carmina Burana“ zu sehen. Spinatelli verbindet eine langjährige Zusammenarbeit mit North, und wie sie im Vorfeld verrät, haben sie sich auch diesmal ohne viele Worte schnell auf ein optisches Konzept geeinigt. Eine wichtige Inspirationsquelle ist für beide die bildende Kunst. Wichtiger als konkrete Räume ist für die Bühnenbildnerin das Schaffen einer bestimmten Atmosphäre. Die Kostüme spiegeln die historische Zeit des frühen 19. Jahrhunderts wider und schaffen eine Authentizität. Zugleich erfüllen sie die Anforderungen als Tanzkostüme. Die Stoffe, meist Seide, sind leicht, und die Schnitte geben den Tänzern die notwendige Bewegungsfreiheit. Eine kleine, sehenswerte Ausstellung im Theaterfoyer zeigt alle Bühnenbildentwürfe.