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Die gute Stube der Seidenkultur

Die gute Stube der Seidenkultur

Die Wiedereröffnung des kleinen Museums an der Luisenstraße ist ein Triumph bürgerschaftlichen Engagements.

Krefeld. Der Krefelder ist immer zur Hilfe bereit, tut aber nix. Dieses Zitat eines früheren Creinvelters, das der heutige Vorsitzende der Gesellschaft, Willi Havermann, hervorgekramt hat, wird mit der Eröffnung des Hauses der Seidenkultur Lügen gestraft. 330 000 Euro haben Menschen, Stiftungen und Firmen zusammengetragen, um das Kleinod der Textilgeschichte zu sanieren. Ab Freitag ist es wieder geöffnet — als modernes Museum.

Der Krefelder also tut sehr wohl etwas für seine Stadt: mit Spenden von fünf Euro, abgeknapst vom Taschengeld eines Kindes, bis zu 10 000 Euro. Creinvelt allein hat 28 000 Euro eingesammelt. Auch Oberbürgermeister Gregor Kathstede hat sich — nachdem seine Verwaltung das Haus schließen musste — stark engagiert für „die gute Stube der Krefelder Seidenkultur“.

Eben jene ist für ihn „der zentrale Markenkern“ dieser Stadt: „Alle, die sich einen anderen Slogan wünschen, sollten wissen, dass sich Identität nicht beliebig kreieren lässt.“ Und Birgit Roos, Vorstandschefin der Sparkasse, deren Kulturstiftung auch gespendet hat, hofft, das neue Museum möge den Stolz der Krefelder auf ihre Heimatstadt nähren: „Ich glaube, da gibt es noch Luft nach oben.“ Wolfgang Schumacher von der NRW-Stiftung zeigt sich so begeistert, dass er eine Art Blankoscheck für die Zukunft ausstellt: „Wenn Sie etwas haben, wenden Sie sich an uns.“

Alles in allem ist es ein großer Tag für Hansgeorg Hauser, den Vorsitzenden des Fördervereins, und all die Ehrenamtler an seiner Seite, deren unermüdlicher Einsatz in jeder Rede hervorgehoben wird. „Es war nicht gesichert, dass wir das Haus jemals wieder eröffnen können“, ruft Hauser in Erinnerung. „An der Tür hinge dann jetzt ein Schild: Betreten verboten.“

Auch in der Zukunft wird das ehrenamtlich betriebene Museum jede Unterstützung brauchen: Die monatlichen Fixkosten betragen rund 1000 Euro, die durch Führungen und die Verkäufe im Museumsshop finanziert werden müssen. Der Anfang ist vielversprechend: Für April sind so gut wie alle Termine ausgebucht.

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