Die Galerie Fochem ist Geschichte

Die Galerie Fochem ist Geschichte

Mit dem Abschluss der Ausstellung „Finissage“ geht an der Wallstraße heute eine Ära zu Ende.

Der Titel bringt es auf den Punkt. Als Finissage bezeichnet man den Endpunkt einer Ausstellung. Für die Galerie Christian Fochem trifft das heute in doppelter Weise zu. Nach mehr als 30 Jahren, in der sie das Kunstgeschehen der Stadt wesentlich mitgeprägt hat, schließt die an der Wallstraße gelegene Galerie ihre Türen.

Das Ende zeichnete sich bereits vor knapp einem Jahr ab, als Christian Fochem allzu früh verstarb. Seine Witwe Dagmar Köster-Fochem hat sich zu diesem Schritt entschlossen, da es auch unter einer anderen Leitung die Galerie Christian Fochem in dieser Form nicht mehr geben kann.

Doch mit dieser letzten Ausstellung „Finissage“, die bis heute zu sehen ist, hat sie ihrem Mann und seiner Arbeit ein wunderbares Andenken gesetzt. Bereits am Eröffnungstag war die Galerie wie in alten Zeiten brechend voll. Die Vielfalt der Werke, die hier jetzt versammelt ist, zeigt noch einmal sehr deutlich, was die Galerie Fochem in all den Jahren seit ihrer Gründung auszeichnete. Von Sandro Antal bis Günther Zins reicht die Liste der 22 Künstler, deren Werke man über die Jahre hier immer wieder in unterschiedlichen Zusammenhängen sehen konnte.

Eine Vielfalt von Materialien und Formen ist in der von Künstler Andreas Bee mit gutem Blick arrangierten Schau zu sehen. Mal sind es zurückhaltende Werke, die durch ihre klaren Formen bestechen, manchmal auch sperrige Arbeiten, zu denen man nicht immer gleich einen Zugang findet. Doch bei aller Reduktion zeichnet sich vieles durch eine Präsenz aus, die auch oft in ungewöhnliche Materialien zurückzuführen ist. So bewundert man die ungewöhnliche Verbindung von Beton und Plexiglas bei Anette Sauermann, die auch einen farblichen Kontrast mit sich bringt. Von der grauen Färbung des Betons setzen sich die neongrünen Plexiglaselemente optisch effektvoll ab.

Weiche Rundungen wie bei der Skulptur aus Mahagoni von Andreas Bee treffen auf die strenge Geometrie einer Edelstahlform von Günther Zins. Doch bei dieser auf der Wand platzierten, linear geformten Arbeit besticht zugleich die Leichtigkeit, die hier vermittelt wird. Überraschungen, aber nie mit vordergründigem Effekt, zeichnete viele der Werke aus, die hier in diesen für Skulpturen so geeigneten Räumlichkeiten zu sehen waren. In der jetzigen Schau zählt dazu eine Arbeit von Ingo Ronkholz, bei der die Schwere der Bronze überraschende Öffnungen und Einblicke gewährt.

Dass schweres Material leicht wirken kann, dass die Dinge oft nicht so sind, wie man im ersten Moment glaubt, auch das hat Christian Fochem mit seinen Ausstellungen auf eine unaufdringliche, aber nachhaltige Weise gezeigt. Bei aller Reduktion, auch was die Farben betrifft, überraschte er manchmal genau mit dem Gegenteil. Die aus bunten PVC-Bändern gebildete Kreisform von Jürgen Paas greift diesen Aspekt auf. Monika Nelles, die jetzt mit der neuen, vierteiligen Arbeit „Das Blau in mir“ aus Eisenblech, Sprühlack und Acryl vertreten ist, hatte einst die Galerie komplett in einen Supermarkt der besonderen Art verwandelt.

Neben den plastischen Arbeiten war die Zeichnung für Christian Fochem wichtiges Thema, dem er auch einzelne Präsentationen widmete. Auch jetzt schlägt die Schau einen Bogen von einer Kohlezeichnung von Herbert Zangs aus den späten 1950er Jahren zu zwei aktuellen Werken von Peter Heeser. Und so wie sich in Sandro Antals an die hintere Wand gelehnte Arbeit „Unvollendete Skulptur für meine Malerfreunde“ Teile des Raums und der Kunstwerke spiegelt, so spiegelt sich in der Schau noch einmal die reiche Vielfalt dessen aus, was diese Galerie über Jahrzehnte auszeichnete — und was jetzt für immer beendet ist.

Mehr von Westdeutsche Zeitung